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Streit um Fernverkehrslinien BLS beharrt auf fünf Strecken – SBB will nichts abgeben

Die BLS lässt sich vom Bund nicht mit zwei Linien abspeisen. Noch vor Ende Juni will das BAV definitiv entscheiden.

Legende: Audio BLS will mehr als zwei Linien abspielen. Laufzeit 03:04 Minuten.
03:04 min, aus Rendez-vous vom 23.05.2018.
  • Die BLS hält an ihrem ursprünglichen Gesuch für fünf Fernverkehrs-Bahnlinien fest.
  • Laut BLS sind nur die als Paket beantragten fünf Linien wirtschaftlich zu betreiben. Die vom Bund geplanten zwei Strecken reichten nicht.
  • Das BAV entscheidet im Juni über die endgültige Vergabe der Fernverkehrskonzession.

Die BLS will künftig fünf Fernverkehrslinien betreiben: Zwei Intercity-Linien von Basel nach Interlaken und ins Wallis und drei Interregio-Linien von Bern aus nach Olten, Biel und in den Jura. Das Bundesamt für Verkehr will der SBB-Konkurrentin nun in einem ersten Vorschlag zwei Interregio-Linien zusprechen.

BLS: Zwei Linien reichen nicht aus

Das sei zu wenig, sagt BLS-Sprecherin Helene Soltermann. Ein eigenwirtschaftlicher Betrieb sei nur im Gesamtpaket mit fünf Linien möglich. Zwei Regio-Express-Linien seien zu wenig ertragsstark, um die Kosten für die geplanten Reisebegleiter zu decken. Man halte deshalb am ursprünglichen Gesuch fest.

BLS-Züge.
Legende: Die BLS möchte fünf Fernverkehrslinien, das BAV will ihr zwei geben, die SBB wehrt sich ganz gegen das Ansinnen. Keystone

SBB grundsätzlich gegen Marktöffnung

Was der BLS zu wenig ist, ist der SBB bereits zu viel. Zwar machten die zwei Linien nur zwei Prozent des gesamten Fernverkehrs in der Schweiz aus, stellte SBB-Chef Andreas Meyer unlängst fest. Es sei aber grundsätzlich fraglich, ob nun das heutige Fernverkehrsnetz der Schweiz mit einem einzigen Verantwortlichen und Ansprechpartner samt allen Synergien auseinandergenommen werden soll.

Wer gibt nach?

Meyer lehnte ein solche Marktöffnung Anfang Mai klar ab und drohte bereits mit juristischen Schritten. Ob die BLS ebenfalls rechtliche Schritte in Erwägung zieht, sollte sie nur zwei Fernverkehrslinien erhalten, lässt das Bahnunternehmen zurzeit offen.

Ebenso unbeantwortet bleibt die Frage, ob die BLS gar auf die zwei zugesprochenen Linien verzichten würde, sollte es dabei bleiben. Man warte den definitiven Entscheid ab, sagt BLS-Sprecherin Soltermann.

Staunen über Kritik des Preisüberwachers

Auch die Kritik von Preisüberwacher Stefan Meierhans bringt die BLS nicht aus der Ruhe. Dieser hatte kürzlich überraschend das SBB-Monopol im Schienenverkehr gestützt. Dieser Wettbewerb bringe nichts und werde Preiserhöhungen nach sich ziehen, kritisierte er.

Das stellt die BLS in Abrede: Die Konzessionsvergabe des Bundesamts für Verkehr habe keinen Einfluss auf die Preispolitik, denn die Preise würden anderweitig über die Branche festgelegt würden, betont Soltermann.

Mehr vom Bund bis Ende Juni

Das Bundesamt für Verkehr will sich weder zur Kritik des Preisüberwachers noch zu den Stellungnahmen von SBB und BLS äussern. Auf Anfrage teilt das Amt lediglich mit, der definitive Vergabe-Entscheid werde vor Ende Juni kommuniziert und begründet.

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9 Kommentare

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  • Kommentar von Heinz Gerber (rosenzeit)
    was schon nur dieser streit mit anwälten um mögliche umverteilung von bahnlinien kostet. alles bezahlen die bahnbenutzer.. bitte kein "wettbewerb" innerhalb der schweiz - sbb und privatbahnen sollen sich mit den besten leuten zusammen tun und für qualität sorgen.
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  • Kommentar von Andrea Esslinger (weiterdenken)
    Hopp BLS, nicht so schnell kleinbeigeben.
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    1. Antwort von m. mitulla (m.mitulla)
      @weiterdenken. Vor ein paar Tagen äusserte der Preisüberwacher Bedenken bei einer Privatisierung des öV. Wahrscheinlich gibt es keine Verbesserungen - sehr wohl aber Preisanstiege... Ich teile seine Meinung. Die Folgen der Privatisierungen des Verkehrs kann man in F und I bestens beobachten. Hopp SBB!
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  • Kommentar von Heinrich Kamber (maleeb)
    Es ist an der Zeit, dass auch andere Bahnunternehmen einige Strecken betreiben können, da die SBB dazu unfähig ist, einen reibungslosen Bahnbetrieb aufrecht zu erhalten. Teilweise legt die SBB gegenwärtig ein totales Versagen an den Tag.
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    1. Antwort von Rolf Bolliger (rolf.bolliger@quickline.ch)
      Als ehemaliger Eisenbahner erachte ich Ihre Beurteilung (eine unfähige SBB, die einen reibungslosen Bahnbetrieb nicht aufrecht erhalten könne), schon eine völlige daneben! Es gibt fast kein anderes Land, das einen so engen Fahrplan anbietet, wie die Schweiz! Das gesamte Bahn-Streckennetz ist längst am Limit! Die kleinste technische Störung wird zum Domino-Effekt. Trotzdem, 5 Stunden in einem stehenden Stau stehen müssen Bahnreisende nicht, trotzdem Sie der SBB ein totales Versagen vorwerfen!
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    2. Antwort von W. Pip (W. Pip)
      So win Käse! Sind sie ernsthaft der Meinung, ein so dichter Betrieb sei unkompliziert? Wenn noch mehr Leute aus solch oberflächlichen Gedanken dieser meinung sind, ist unser Staat am Ende!
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