Streit um Sammelaktionen in Poststellen

Weihnachtszeit ist Spendenzeit. Hilfswerke werben in der Öffentlichkeit um Unterstützung – auch in Poststellen. Kundinnen und Kunden der Post fühlen sich bedrängt, der Konsumentenschutz protestiert.

Eine Frau betritt eine Poststelle.

Bildlegende: Kundinnen und Kunden der Post stören sich an Mitarbeitenden von Hilfswerken, die in Poststellen Spenden sammeln. Keystone

In der Postfiliale Bern-Bärenplatz versuchen drei Mitarbeiter des Hilfswerks «Save the Children», Kunden zu ihrem Infostand zu locken. Einige lassen sich überzeugen, andere sind verärgert. «Mich stört das», sagt eine Kundin.

Kritik kommt auch von der Stiftung für Konsumentenschutz. In einer Poststelle könne man einer Sammelaktion nicht ausweichen, sagt Geschäftsführerin Sara Stalder. Diese Situation werde ausgenutzt. «In einer Poststelle braucht es eine gewisse Standhaftigkeit, um zu einem Nein zu stehen.» Man stehe in einer grösseren moralischen Verpflichtung, als wenn man auf der Strasse angegangen werde, sagt Stalder.

Hilfswerk: «Kein Druck»

Diverse Hilfswerke mieten Platz in der Schalterhalle, um Spenden zu sammeln. Xenia Schlegel vom Zewo-zertifizierten Hilfswerk «Save the Children» sagt, ihre sogenannten Dialoger würden geschult, keinen Druck aufzubauen. «Sollte die Sammlung aber tatsächlich als Druck empfunden werden, werden wir über die Bücher gehen und uns überlegen, ob die Poststellen für uns der ideale Ort sind.»

Für die Post ist das Vermieten von Fläche in den Schalterhallen eine Möglichkeit, um das Defizit im traditionellen Geschäft auszugleichen. Es würden kaum Kunden klagen, sie würden von Hilfswerken in der Schalterhalle belästigt, sagt Postsprecher Oliver Flüeler. «Das Bedrängen unserer Kunden im Schalterbereich liegt nicht drin.» Die Post tausche sich deshalb mit den Organisationen, die für Spenden werben, aus.

«Eine Post ist eine Post»

Dies reicht Konsumentenschützerin Stalder nicht. Die Post habe versprochen, weniger Drittprodukte zu verkaufen. «Eine Post ist eine Post und keine Verkäuferin von Hundefutter und keine Hilfswerkfiliale.» Dass die Post ihre Schalterhallen anderen Organisationen oder Verkäufern zur Verfügung stelle, damit diese dort ein Geschäft machen könnten, sei so nicht vorgesehen.

Postsprecher Flüeler kontert: Man halte sich an das Versprechen, weniger Drittprodukte zu verkaufen. Anders stelle sich die Situation bei Promotions- und Sammelaktionen dar. Diese seien nur vorübergehend. «Die Aktionen dauern meist nicht länger als einen halben oder einen ganzen Tag, höchstens aber zwei Tage.»

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