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Schweiz «Wo um Gottes Willen nehme ich das Personal her?»

Pflegeheime brauchen dringend zusätzliche Mitarbeitende. 70'000 Stellen müssten bis 2040 besetzt werden, sagt eine aktuelle Studie der Credit Suisse. Der Notstand zeigt sich beispielsweise im Pflegeheim Hofmatt im bernischen Uettligen. Trotz grosser Nachfrage muss die Leiterin Zimmer leer lassen.

Erika Kirchen sitzt mit einer Kollegin auf einem leeren Bett in einem kahlen Raum.
Legende: Platz hätte es, aber das Personal fehlt: Heimleiterin Erika Kirchen (links) und eine ihrer raren Kolleginnen. SRF

Eigentlich bietet das Alters- und Pflegeheim in Uettligen 53 Zimmer an. Doch bei zwei der Zimmer bleiben die Rollläden auch tagsüber zu. Die Situation ist paradox. «Wir sind ein Heim für drei Gemeinden», sagt Heimleiterin Erika Kirchen. «Wir haben viele alte Leute, die zu uns kommen wollen.» Trotzdem muss sie wegen der Personalnotlage die Zimmer leer lassen.

Ausbau nötig, doch Personal fehlt

Der Arbeitsmarkt ist ausgetrocknet. Stelleninserate laufen ins Leere. Auch Aufrufe in den sozialen Medien haben Kirchen bislang nicht den gewünschten Erfolg gebracht. Andere Heime hätten ebenfalls Zimmer geschlossen, weil das Personal fehle, erzählt sie.

Wir graben uns gegenseitig die Mitarbeitenden ab. Es herrscht absoluter Notstand!
Autor: Erika KirchenLeiterin Alters- und Pflegeheim Hofmatt

Dabei müsste die Heimleiterin ausbauen. Denn längst ist die Nachfrage in der Region grösser als das Angebot. Ein Anbau soll Platz für zusätzliche 30 Zimmer bieten. «Doch wo um Gottes Willen nehme ich das Personal her, wenn ich nicht einmal genügend Mitarbeitende für die bestehenden 53 Zimmer finde?», klagt Kirchen.

Keine Lösung in Sicht

Sie braucht professionelle Pflegerinnen und Pfleger. Der Kanton Bern schreibt ihr vor, dass mindestens jede fünfte Person eine höhere Ausbildung abgeschlossen haben muss. Doch für Pflegefachleute sei die Arbeit in einem Pflegeheim weniger interessant als in einem Spital oder einer Spitex-Organisation, glaubt Kirchen. «Bei uns gibt es keine Infusionen, wir röntgen nicht, wir gipsen nicht. Kurz: Bei uns ist es immer etwa gleich.»

Kirchen will deshalb, dass der Kanton seine Vorgaben lockert. Sie will vermehrt auch weniger qualifizierte Personen einstellen dürfen. Die Forderung hat es schwer. Sowohl der Kanton wie auch der Berufsverband wollen nicht an der Qualität in der Langzeitpflege rütteln.

35 Kommentare

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  • Kommentar von Hz. imBoden, Ringgenberg
    Keine Lösung in Sicht? Das Problem liegt eindeutig bei den Strukturen im Pflegebereich welche zu wenig flach sind, d.h. es hat viel zu viele fähige studierte und gebildete Pflege-Fachleute in der Administration und Verwaltung oder anders ausgedrückt zu viele "Haptleute und zu wenig Indianer" die an der Basis mithelfen die effektiven Tätigkeiten ausführen?
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  • Kommentar von P. Studer, Zug
    Viele Dank an die mutigen Damen. Dass sie sagen sie hätten zu wenige Arbeitskräfte. Ich habe allerdings eine Frage. Welche Personal brauchen sie? Ich kenne nämlich in meiner Anstalt genügend Fachkräfte. Die haben zwar Aktuell auch eine Tätigkeit. Aber vielleicht kann man Jobsharing machen. Wir müssen alle zusammenstehen und zusammensitzen. Um den Fachkraftmängelmangel her zu werden. Ich und meine Grüne Partei sind da sehr aktiv auch um Lohndumping zu fördern. Keine Change der Demokratie!
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  • Kommentar von J. B. Chardin, Basel
    Gerade der Pflegebereich zeigt es doch gut. Weniger Masseneinwanderung gleich weniger benötigtes Personal. Jetzt könnte man als Linker Wutbürger gegen für Linke unangenehme Volchsentscheide natürlich argumentieren, dass es dann ja eine win win Situation wäre, doch natürlich stimmt dies nicht. Zersiedelung, höhere Gesundheitskosten, mehr Krankenkasse, höhere Sozialkosten und und belasten die Schweiz. Ganz zu schweigen vom Familiennachzug. Nein so politisiert man nicht.
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