Arbeit für Jugendliche bleibt eine globale Mangelware

In der Hoffnung auf Jobs in reicheren Ländern wollen Millionen junger Menschen aus ihrer Heimat auswandern. Zwar hat sich die globale Beschäftigungssituation für Berufsanfänger leicht gebessert. Doch in vielen Ländern sind ihre Chancen auf bezahlte Beschäftigung schlechter als vor der Finanzkrise.

Mädchen vor Zettelwand

Bildlegende: Suche nach bezahlter Arbeit: Für Jugendliche in vielen Staaten der Welt noch ein hoffnungsloses Unterfangen. Keystone

Nach dem starken Anstieg der Jugendarbeitslosigkeit in der Finanzkrise hat sich die Lage leicht verbessert.

Chance in reicheren Ländern suchen

Im weltweiten Durchschnitt pegelte sich die Arbeitslosenquote bei den 15- bis 24-Jährigen zwischen 2012 und 2014 bei 13 Prozent ein. Dies teilte die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) in Genf mit. Für 2015 wird mit einem nur leichten Anstieg auf 13,1 Prozent gerechnet.

Ungeachtet dessen wollen weiterhin Millionen junger Menschen in der Hoffnung auf Jobs in reichere Länder auswandern. Die absolute Zahl der arbeitslosen Jugendlichen ging, gemessen am Krisenhöchststand von 2009, bis 2014 um 3,3 Millionen auf 73,3 Millionen zurück.

Ein Junge mit einem Zementeimer

Bildlegende: Junger Bauarbeiter in einem Vorort von Kairo: Viele Jugendliche suchen ihr Heil in reichen Ländern. Keystone

Mehr junge Menschen studieren

Zugleich konstatiert der ILO-Bericht einen langsamen Rückgang des Anteils der Jugendlichen an der Arbeitslosigkeit. 2014 machten die Jugendlichen 36,7 Prozent der weltweit 199 Millionen Arbeitslosen aus. Zehn Jahre zuvor lag der Anteil noch bei 41,5 Prozent.

Einer der Gründe sei, dass mehr junge Menschen ein Studium machten oder länger studierten, sagte Sara Elder, eine der Autorinnen des Berichts. Als Erwerbslose gelten gemäss ILO Personen, die in der Referenzwoche nicht erwerbstätig waren, in den vier vorangehenden Wochen aktiv eine Stelle gesucht haben und für die Aufnahme einer Arbeit verfügbar sind.

Höher als vor der Krise

Dass der Anteil der Jugendlichen an allen Arbeitslosen zurückgeht, sei zwar eine «gute Nachricht», teilte die ILO mit. Allerdings sei die Arbeitsmarktlage in vielen Ländern immer noch sehr instabil und die Jugendarbeitslosigkeit liege global weiter deutlich über den 11,7 Prozent vor dem Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2007.

In den entwickelten Volkswirtschaften einschliesslich der EU-Staaten ging die durchschnittliche Arbeitslosenquote bei den Jugendlichen zwischen 2012 und 2014 von 18,0 auf 16,6 Prozent zurück – wobei die Schweiz (3,7 Prozent), Deutschland, Norwegen, die Niederlande und Island gemäss der ILO-Statistik klar unter der 10-Prozent-Marke liegen.

Problemregion Südeuropa

Besorgniserregend ist hingegen laut ILO die Jugendarbeitslosigkeit in den südeuropäischen Ländern: In Spanien beträgt sie 53,2 Prozent, in Griechenland 52,4 Prozent. Danach folgen Kroatien mit 45,5 Prozent, Italien mit 42,7 Prozent und Portugal mit 34,8 Prozent.

In zwei Dritteln aller Staaten Europas sind mehr als 20 Prozent der Jugendlichen arbeitslos. Zudem sucht unter drei jungen Arbeitslosen in der EU mehr als einer schon länger als ein Jahr nach einer Stelle.

Am niedrigsten ist die durchschnittliche Jugendarbeitslosigkeit laut ILO in Südasien mit 9,9 Prozent sowie in Ostasien mit 10,6 Prozent. In Nordafrika beträgt sie 30,5 Prozent und im Nahen Osten 28,2 Prozent.

Unter der Armutsgrenze

In dem Bericht beklagt die ILO auch, dass in vielen Entwicklungsländern junge Menschen selbst dann unterhalb der UNO-Armutsgrenze leben, wenn sie Jobs haben. Weltweit müssten 169 Millionen arbeitende junge Menschen mit weniger als zwei US-Dollar am Tag auskommen.

Weit verbreitet sei in vielen Regionen der Wunsch von Jugendlichen, in reicheren Ländern auf Jobsuche zu gehen. In Afrika südlich der Sahara hätten bei Erhebungen 37 Prozent aller befragten Jugendlichen Bereitschaft zur Migration bekundet, gefolgt von europäischen Nicht-EU-Staaten mit 34 Prozent - gegenüber 11 Prozent in Südostasien.