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Mäzene in der Challenge League «Es gibt einen Weg aus dieser Abhängigkeit»

Dem St. Galler Traditionsverein FC Wil droht der Konkurs. Sein Hauptinvestor ist untergetaucht. Es müsse ein Umdenken stattfinden, sagt SRF-Sportredaktor Marco Nüssli.

Legende: Audio «SRF-Sportredaktor Marco Nüssli: Grossinvestoren als Klumpenrisiko» abspielen. Laufzeit 3:43 Minuten.
3:43 min, aus SRF 4 News aktuell vom 09.02.2017.

SRF News: Wieder steht ein Verein der zweitobersten Liga vor dem Aus. Wieso haben Challenge-League-Clubs so Mühe, sich über Wasser zu halten?

Marco Nüssli: Weil es ein schmaler Grat ist, auf dem sie gehen. In der Challenge League ist das Zuschaueraufkommen sehr viel tiefer als beispielsweise in der Super League. Im Durchschnitt kommen nur gerade 2800 Zuschauer, in Wil sind es in dieser Saison sogar bloss 1300 gewesen. Daneben sind auch die TV- und die Sponsoring-Einnahmen viel bescheidener als etwa in der Super League.

Und die Ausgaben, die sind ja trotzdem da...

Ja, auch in der Challenge League sind Berufsfussballer am Werk, auch wenn diese mit rund 4000 Franken im Schnitt nicht allzu viel verdienen. Daneben verschlingt natürlich auch die Infrastruktur Geld, denn die Stadien der Challenge-League-Vereine kosten im Unterhalt Einiges.

Heisst das, das Risiko, Konkurs zu gehen, ist für einen Club der Challenge League grösser als für einen der Super League?

Nein, das lässt sich nicht behaupten. Es ist ein grundsätzliches Problem. Berufsfussball in der Schweiz rentiert grundsätzlich nicht, auch nicht in der Super League. Ausser dem FC Basel sind alle Vereine von einem Mäzen abhängig. Das Problem akzentuiert sich immer dann, wenn sich diese Mäzene zurückziehen. Dann kämpfen die Vereine gegen den Kollaps oder gehen gar Konkurs, wie in den letzten Jahren in der Super League Xamax oder Servette – oder wie gerade jetzt der FC Wil.

Die Vereine müssten vermehrt auf den eigenen Nachwuchs setzen, nicht auf ausländische Spieler.

Ist es für einen Verein der Challenge League schwieriger, einen Mäzen zu finden, weil die Aufmerksamkeit kleiner ist?

Ja und nein. In der Super League bekommen die Mäzene diese Aufmerksamkeit zwar eher, weil die Medien öfter über die Super League berichten und auch mehr Spiele zeigen. Auf der anderen Seite sind die Budgets der Challenge-League-Vereine viel bescheidener. Somit können auch weniger reiche Leute Mäzen werden. Das heisst, es ist wahrscheinlicher, einen Unterstützer zu finden, der nicht so viel Geld aufbringen will oder kann.

Wenn sich der Investor verabschiedet, dann ist das sofort ein riesiges Problem für einen Club. Gibt es einen Weg für die Liga aus dieser Abhängigkeit?

Bestimmt, aber dafür müsste ein Umdenken stattfinden. Die Vereine müssten vermehrt auf den eigenen Nachwuchs setzen, nicht auf dritt- oder viertklassige Spieler aus dem Ausland. So würden die Löhne sinken und die Zuschauer würden trotzdem ins Stadion kommen. Das Problem ist, dass dieses Umdenken kollektiv stattfinden müsste. Wenn einzelne Präsidenten aus übertriebenem Ehrgeiz unrealistische Budgets aufstellen, ziehen andere nach. Diese Spirale müsste durchbrochen werden, dann hat die Challenge League auch eine Zukunft.

Das Gespräch führte Salvador Atasoy.

3 Kommentare

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  • Kommentar von M. Roe (M. Roe)
    Nur weil es einmal geklappt hat, heisst das noch lange nichts. Die meisten Mezäne wollen sich doch nur ins Rampenlicht setzen. Wenn man nicht fähig ist, kritisch genug zu sein, dann ist man halt selber schuld. Der Erfolg einer Fussballmannschaft sollte immer noch durch den Fussball möglich sein. Vielerorts glauben die Fanatiker daran, dass grosse Stadien und teure Spieler den Erfolg bringen. Da kann keiner helfen.
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  • Kommentar von Lukas Löffler (ll_basel)
    Gigi Oeri stellte den Verein und sein Wohl immer über alles, auch über sich selbst. Als die Zeit gekommen war, zog sich zurück. Den Dank dafür ernten wir Fans heute in Form von sieben aufeinanderfolgenden Meistertiteln und internationaler Aufmerksamkeit. Ein paar andere Clubbesitzer, Sponsoren und Mäzen sollten sich eine Scheibe davon abschneiden.
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    1. Antwort von Jean-Philippe Ducrey (Jean-Philippe Ducrey)
      Für die gebürtige Deutsche Gigi Oeri spielt das Geld keine Rolle, es ist ja vom Schweizer Ehemann geerbt und nicht selbst erarbeitet. So kann man schon ein paar Dutzend Millionen locker machen. Andere Mäzene haben ihr Geld selbst erarbeitet und verschleudern ihr Vermögen nicht einfach so wegen ein paar Tschütteler. Sicher Oeri hat viel Geld in den FC Basel gepumpt und das doch recht nachhaltig. Aber eine Scheibe davon abschneiden?
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