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Google News Lab «Google rüstet sich für die Zukunft»

Legende: Audio Ein Google News Lab für Journalisten abspielen. Laufzeit 08:17 Minuten.
08:17 min, aus Echo der Zeit vom 29.03.2018.

Google bildet Journalisten gratis aus und bringt traditionelle Medienhäuser durch seine Allmacht im Onlinewerbemarkt finanziell arg in Bedrängnis.

Braucht Google die Journalisten überhaupt noch? Oder brauchen die Journalisten nur noch Google? Ein Gespräch über die «News Initiative» des Internetgiganten mit Medienredaktor Salvador Atasoy.

Salvador Atasoy

Salvador Atasoy

Medienredaktor

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Journalismus von analog bis digital. Salvador Atasoy beleuchtet für Radio SRF Trends und Entwicklungen in der Medienwelt.

SRF News: Will Google die Journalisten abschaffen?

Derzeit sicher nicht. Google lebt ja derzeit in allen Ländern davon, dass man die Userinnen und User auf externe Inhalte weiterleitet. Dabei hat Google wie Facebook dasselbe Geschäftsprinzip: Möglichst hoher Grad an Automatisierung, minimaler Aufwand und maximaler Profit. Google stellt – Stand heute – kaum eigene Inhalte her.

Dennoch hat man den Eindruck die «News Initiative» nütze nur Google.

Die Schweizer Verlage haben lange versucht mit Google ins Gespräch zu kommen. Das war chancenlos. Das ist bisher der beste Vorschlag, der gemacht wurde. Google ist daran eigene Portale aufzubauen. Die Frage ist, wie lange dieser Deal überhaupt hält.

In den USA wird beispielsweise fleissig ein Jobportal getestet. Man entfernt sich also mehr und mehr vom Kerngeschäft – und versucht das Prinzip des Portals, das alle vereint, zu exportieren und damit Geld zu machen.

Google gibt Geld, Technik und digitales Knowhow. Die Verlage kooperieren und arbeiten mit Google-Produkten. Man wächst zusammen.

Google lernt ja auch extrem schnell und extrem viel, beispielsweise durch die Zusammenarbeit und Förderung mit den Verlagshäusern. Diese «News Initiative» wurde soeben von Europa auf die Welt ausgeweitet. Es ist ein Geben und Nehmen. Google gibt Geld, Technik und digitales Knowhow. Die Verlage kooperieren und arbeiten mit Google-Produkten. Man wächst zusammen.

Was können die traditionellen Verlage tun, um überhaupt neben Google Bestand zu haben?

Die Frage ist, ob das überhaupt gehen wird. Google hat ja im Vergleich mit vielen anderen ein System: Es schafft sich Verbündete. Und das macht das Unternehmen zum Teil wirklich exzellent. Die erwähnte «News Initiative» beispielsweise fördert auch Medienprojekte von Migrantinnen und Migranten in einer Zeit, in der es kaum noch Geld gibt für solche Dinge. Letzten Endes geht es darum, Verbündete zu finden und sich für die Zukunft zu rüsten.

Und PR zu machen?

Das ist letzten Endes eine Frage der Perspektive. Google hat offenbar einen grösseren Plan. Die Schweizer Verlage scheinen derzeit nicht wirklich einen zu haben. Wir diskutieren breit darüber, ob man private Medien in der Schweiz nicht auch gezielt mit Bundesgeldern fördern soll. Es kann ja nicht sein, dass die Werbegelder im Onlinemarkt ins Ausland abfliessen, ohne dass dafür medientechnisch eine Gegenleistung geboten wird. Die Politik wird sich darüber Gedanken machen müssen. Google arbeitet daran, zumindest mitreden zu können.

Wie könnte man verhindern, dass die Werbegelder ins Ausland abfliessen?

Das ist die grosse Frage. Vielleicht müsste man das juristisch angehen oder mit einer Steuer. Fakt ist, dass alle Versuche von Seiten der Verleger nicht gefruchtet haben. Auch Facebook beispielsweise reagiert kaum auf solche Anfragen. Das bedeutet, es muss eine höhere Instanz kommen. Das Parlament müsste sich auf Gesetzesebene damit befassen.

Wären die privaten Medienkonzerne bereit für staatliche Hilfe?

Das ist die zweite grosse Frage. Bisher vertritt man hier die Position, dass man keine Hilfe möchte. Das Problem ist die Realität: Die Werbegelder, die die Verlage einnehmen, werden immer geringer. Und was sie mit den Digitalabos einnehmen, reicht nicht, um den Werbeausfall zu kompensieren. Irgendwann werden die Medienhäuser vielleicht soweit sein, zu sagen: Wir müssen jetzt auf staatliche Hilfe zurückgreifen, egal ob wir wollen oder nicht.

Das Gespräch führte Beat Soltermann.

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15 Kommentare

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  • Kommentar von Bernd Kulawik (Bernd K.)
    Nach zwei Wochen in den USA kann ich bestätigen, dass es keine künstliche Intelligenz braucht, um die dortigen Nachrichten zu übernehmen. Die Entwicklung des Niveaus bestätigt von Besuch zu Besuch: "Schlimmer geht's immer!" Und es ist doch völlig egal, ob es menschliche oder maschinelle "Roboter" sind, die die Manipulationen vorlesen oder in "Zeitungen" schreiben. Hm, einer künstl. Int. wäre es sicher nicht passiert, den Einsturz von WTC 7 ganze 20 Minuten zu früh zu vermelden. Also: Pro KI!
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  • Kommentar von antigone kunz (antigonekunz)
    Genau gesehen geht es um Arbeit. Denn was Google hier anbietet, ist ja nichts weiteres als eine Spielform moderner Ausbeutung menschlicher Arbeits-und Wirkenskraft. So modern Google sich auch ausgibt, diese Form von Arbeitskraftaneignung ist die, wie sie im 19. Jahrhundert in unseren Breitengraden praktiziert worden ist.
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    1. Antwort von antigone kunz (antigonekunz)
      ...denn müsste Google Heere von Journalisten und Journalistinnen weltweit zu anständigen Arbeitsbedingungen und Löhnen anstellen, sähe die Rechnung etwas anders aus.
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  • Kommentar von Michael Räumelt (Monte Verita)
    Als wir Kinder waren,hatten wir auch ein grosses soziales Netzwerk... man nannte es "draussen".. und waren glücklich und zufrieden.
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    1. Antwort von Larissa Möller (Larissa Möller)
      Wunderschön wie frische Luft zum einatmen, auch wenn man nur im Gedanken die ehemalige Netzwerk vorstellt, anstatt der verwirrende, virtuellen Netz.
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    2. Antwort von Thomas Heimberg (tomfly)
      M. Räumelt: Treffender könnten Sie es nicht formulieren. Aber wir gehören leider einer aussterbenden Spezies an. Ab der (manipulierten) Informationsflut überfordert, werden die Menschen nur noch das glauben und machen, was ihnen Google und co. vorsagen wird. Selbstdenken und selbst Entscheidungen zu treffen wird out sein. Die meisten glauben dies zwar nicht, aber schon heute trauen viele z.B. nur Onlinebewertungsportalen, anstatt sich selbst ein Bild zu machen.
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