Zum Inhalt springen

Wirtschaft Niklas überfordert deutsche Windkraftwerke

Das Sturmtief hat in Norddeutschland so viel Wind gebracht, dass die damit erzeugte Energie gar nicht ins Netz eingespiesen werden konnte. Das führte dazu, dass im Süden des Landes Strom fehlte und aus konventionellen Quellen nachgeliefert werden musste. Profitiert haben Schweizer Stromerzeuger.

Schwarze Wolken hängen über einem Windpark.
Legende: Zu viel Energie für die Leitungen produziert: Ein Windpark im Norden Deutschlands. Keystone/Archiv

Anstatt Freude dominieren bei den norddeutschen Windproduzenten derzeit die Sorgenfalten. Die hohen Mengen an Windenergie stellen das deutsche Stromnetz vor eine Belastungsprobe, sagt Ulrike Hörchens vom deutschen Netzbetreiber Tennet: «Das stellt uns vor grosse Herausforderungen. Es kommt zu Transportengpässen auf den Hochspannungsleitungen.» Vor allem von Norden in Richtung Süden fehle es an genügend Hochspannungsleitungen.

Allein am Montag wurden 30'000 Megawatt Windenergie erzeugt. Das entspricht der Leistung von rund 22 Atomkraftwerken. Doch diese Menge kann das Netz nicht schlucken, sagt Tobias Kistner. Er ist Mediensprecher des Schweizer Stromproduzenten Axpo, der selber in Deutschland mit einer Tochterfirma aktiv ist.

Wenn zu viel Windenergie eingespiesen wird, führe das zwangsweise zu einer Überlastung der Netze, erklärt Kistner. «Die Netzwerkbetreiber müssen eingreifen. Das heisst, sie werden einzelne Windparks abschalten oder konventionelle Kraftwerke hochfahren, damit das Netz stabil bleibt.»

Damit das Netz nicht zusammenbricht, muss derzeit vor allem im Süden Deutschlands die Energieproduktion hochgefahren werden. Weil das rasch passieren muss, um Lücken zu stopfen, kommen dazu hauptsächlich konventionelle Energiequellen wie Atom oder Kohle in Frage. Solarstrom ist zu unsicher und nur beschränkt einsetzbar.

Geschäft für Schweizer Stromproduzenten

Profitieren können in diesen Tagen auch die Schweizer Stromproduzenten. In diesen Spitzenzeiten ist Deutschland auf Schweizer Reserven angewiesen, sagt Axpo-Vertreter Kistner. Schweizer Produzenten hätten Strom nach Deutschland verkauft, insbesondere in den Süden. «Sie haben so die Netzstabilität garantiert.»

Orkan Niklas macht ein akutes Problem deutlich: Der Windstrom wird im Norden produziert, aber vor allem im Süden von Deutschland gebraucht. Hierfür braucht es eine Art Stromautobahn, die auch zu Spitzenzeiten alles schlucken kann – damit es nicht zum Stau kommt.

Ausbau ist politisch umstritten

«Das muss sich dringend ändern, das Netz muss ausgebaut werden», fordert Hörchens vom deutschen Netzbetreiber. Besonders Leitungen mit viel Transportkapazität zwischen Nord- und Süddeutschland müssten errichtet werden.

Doch das ist in Deutschland politisch hochumstritten: Der bayrische Ministerpräsident Horst Seehofer blockiert den Netzausbau. Die riesigen Strommasten seien den Anwohnern nicht zuzumuten.

Doch die Zeit drängt: Bis 2022 sollen die Atomkraftwerke vom Netz genommen werden und spätestens dann müssen die Netze so ausgebaut werden, dass der Windstrom von oben unten auch ankommt.

13 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von K.D.Waldeck, Bellinzona
    Kaum zu glauben. Da werden alle Kräfte mobilisiert um mittelfristig saubere Energie zu verwenden und nun soll das an ungenügenden Stromleitungen scheitern ? Dort wo die Strommasten stören könnte man auch unterirdische Leitungen verlegen .... und warum nicht langfristig die grossen Energiefresser im Süden von DE näher bei der Nordseeküste ansiedeln ? Ist ein Wille da , gibt es auch umsetzbare Lösungsmöglichkeiten.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Thomas Käppeli, Guatemala Ciudad
    Wenn es so einfach mit speichern wäre @ elize naude. Pumpspeicherwerke im platten Norddeutschland/Holland unmöglich. Es gibt aber Möglichkeiten. So z.B. riesen unterirdische Druckluftspeicher oder grosse Schwungräder, wobei die Rotationsenergie nicht lange anhält. Eher sinnvoll, die Wasserelektrolyse um H2 zu generieren. Das Gas kann dann direkt (oder methanisiert) Verbrennungsprozessen zugeführt, oder in Brennstoffzellen in Elektrizität zurück gewonnen werden. Grosser Pferdefuss, die Kosten.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Christian Vogel, Laupen
      Wirkungsgrade und Erzeugungskosten für die Zwischenspeicherung von "Strom" in Form von Gas: > Wasserelektrolyse (EE-Strom - H2+O): 75%; 24 - 44 €Cent/kWh bei Zumischung in Erdgasnetz > H2-Zwischenspeicherung & Verbrennung für Stromerzeugung (EE-Strom - H2 - Strom): ca. 30%; 44 - 95 €Cent/kWh. > H2-Methanisierung & Verbrennung zur Stromerzeugung: ca. 22%; 56 - 120 €Cent/kWh > Wirkungsgrad Brennstoffzelle: 50 - 60% und extrem teuer.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von F.Fischer, Basel
      @Vogel, Wie teuer ist Kernkraft mit Volkostenrechnung? Dazu gehört eine Gautaugliche Versicherung für unsere Sachwerte und die Ertragsverluste, der Rückbau und die Endlagerungskosten über tausende von Jahren. Kann jemand diese Energie zahlen ohne Generationenbetrug?
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    3. Antwort von Robert Frei, Wettingen
      @F.Fischer. Bezüglich "Vollkostenrechnung" für die Kernenergie werden derzeit Phantasiezahlen in die Welt gestellt, von politisch einseitig motivierten Stellen, nur um ihre Position zu beweisen. Hat man zB schon eine Vollkostenrechnung für den Bruch eines Walliser Stausees gemacht, oder für die Gesundheitsschäden bei der Produktion der Rohstoffe für Solarpanels? Mit übertriebener Kostenrechnung kann man jedes Produkt totreden. Bleiben wir doch am Boden der Realität.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von elize naude, zürich
    vorher sind alle schlau... wie wärs mit einem speicher?
    Ablehnen den Kommentar ablehnen