Zementindustrie muss grüner werden

Auf der Liste der Klimakiller steht ganz weit oben die Zementproduktion. Rund fünf Prozent des weltweiten Ausstosses an Kohlendioxid gehen auf ihr Konto. Der Druck auf die Hersteller wächst.

Eine Zemetfabrik in China mit qualmenden Schloten und dunklen Wolken darüber.

Bildlegende: Wegen des niedrigen Preises für Zertifikate kompensieren Zementfirmen ihren CO2-Ausstoss einfach. Keystone

Der Sündenbock heisst Klinker; der Hauptbestandteil von Zement. Bei seiner Herstellung wird Kalkstein auf 1400 Grad Celsius erhitzt. Hier fällt am meisten CO2 an.

Um nachhaltigeren Zement herzustellen, versuchen Forscher deshalb, den Klinker-Anteil im Zement zu verringern. Und sie hätten schon einiges erreicht, sagt Roland Hunziker. Er ist Direktor beim World Business Council for Sustainable Development, einer Organisation für nachhaltige Entwicklung, zu der auch Zementfirmen gehören.

Früher habe der Anteil Klinker im Zement bei 80 Prozent gelegen, heute liege er im Schnitt noch bei 70 Prozent. «Wir haben in den letzten Jahren weltweit schon gute Reduktionen gesehen», sagt Hunziker. Aber es gebe noch Potential.

Bedenken gegenüber dem neuen Zement

Um den CO2-Ausstoss weiter zu reduzieren, haben Zementfirmen Forschungsprojekte lanciert. Doch die Baubranche ist gegenüber neuartigen Zementen mit weniger Klinker skeptisch. Denn Zement ist der Hauptbestandteil von Beton. Damit werden Strassen, Häuser und Brücken gebaut. Und bei der Sicherheit von solchen Bauten will die Branche keine Kompromisse eingehen.

«Die Bauindustrie ist generell etwas konservativ», sagt Robert Flatt, Professor für Baustoffe an der ETH Zürich. Es gebe noch viele offene Fragen bei der Sicherheit von neuen Zementen. Zum Beispiel gebe es zu wenig Angaben über die Lebensdauer. Damit der Zement in der Baubranche besser akzeptiert wird, müsse die Forschung konkrete Resultate liefern, sagt Flatt. «Es gibt einen sehr klaren Forschungsbedarf.»

Geld fliesst in Zertifikate statt in Forschung

Dabei gibt es allerdings einen Haken: Forschung ist teuer. Zementfirmen brauchen deshalb Anreize, damit sie investieren. Hier kommen die sogenannten CO2-Zertifikate ins Spiel. Schon heute müssen die Firmen zur Kompensation ihres CO2-Ausstosses solche CO2-Zertifikate kaufen. Doch derzeit kosten diese so wenig, dass sie lieber Zertifikate kaufen, statt in die Forschung für nachhaltigeren Zement zu investieren. Solange das so bleibt, werden die Antworten der Forschung auf sich warten lassen.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Grossfusion zweier Giganten

    Aus 10vor10 vom 7.4.2014

    Der Schweizer Baustoffhersteller Holcim schliesst sich mit dem französischen Konkurrenten Lafarge zusammen. Die Grossfusion schafft den grössten Zementhersteller der Welt – mit 39 Milliarden Franken Umsatz. Wirtschaftshistoriker Tobias Straumann sagt, Mega-Investitionen zwängen die Konzerne zum stetigen Wachstum.