Zum Inhalt springen
Inhalt

Eurovision Song Contest Eurovision: Nicht nur die Schweiz leckt sich ihre Wunden

Eine lahme Show, keine Freunde in Europa, zu brav: Nach dem Ausscheiden im Halbfinal des Eurovision Song Contest sucht die Schweiz einmal mehr nach den Gründen. Doch auch in anderen Ländern sucht man eifrig – und manchmal sehr fantasievoll – nach Erklärungen für tiefe Punktezahlen.

Besonders gross ist die Ernüchterung in Irland: Kein anderes Land hat in der Eurovision-Geschichte so oft gesiegt. Nun landete Irland mit «Only Love Survives» im Final auf dem letzten Platz. «Wir können das wirklich nicht verstehen», zitiert die «Irish Times» den Sänger. «Unser Song ist in 17 Ländern in den Charts».

Für die irische Zeitung liegt das schlechte Resultat in erster Linie daran, dass Dolan in Malmö als letzter Kandidat antreten musste: «Einige Elemente seines Auftritts haben die Zuschauer schon vorher gesehen – insbesondere die Trommler und die keltischen Elemente», schreibt das Blatt. Das habe das Publikum als Wiederholung angesehen und das sei nicht gut angekommen.

Deutschland und Grossbritannien: «Niemand mag uns!»

Bei unseren nördlichen Nachbarn landeten Natalie Horler und ihre Band Cascada mit nur gerade 18 Punkten auf Platz 21 (von insgesamt 26). Das schockierte auch Deutschland. Einen Erklärungsversuch liefert ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber: Für ihn ist die Eurokrise schuld an der tiefen Punktzahl – schliesslich habe sich Deutschland in Europa derzeit kaum Freunde gemacht: «Ich will nicht sagen '18 Punkte für Angela Merkel'. Aber man muss eben auch sehen: Da stand nicht nur Cascada, sondern da stand auch Deutschland auf der Bühne.»

Auch die Briten sehen den Grund für den bescheidenen 19. Platz überall, aber nicht bei Interpretin Bonnie Tyler. «Ich hätte gedacht, sie würde besser abschneiden – wegen der Qualität des Songs und weil sie von allen in Europa geliebt wird», zitiert die «Wales Evening Post» einen Radio-Moderator aus Bonnie Tylers Heimat. Für ihn ist klar: «Das war eine politische Punktewertung.»

Russland: «Stimmenklau!»

In Russland beschäftigt der Eurovision Song Contest sogar die Spitzenpolitiker. Obschon Russland auf dem guten fünften Rang landete, hatte man sich mehr erhofft. Nun hat Aussenminister Sergej Lawrow Aserbaidschan öffentlich «Stimmenraub» vorgeworfen. Die russische Kandidatin Dina Garipowa («What If») hatte überraschend null Punkte aus dem Nachbarland erhalten – dabei war sie bei der dortigen SMS-Wahl auf dem zweiten Platz gelandet. Aserbaidschans Aussenminister Elmar Mamedjarow versprach nach einem Treffen mit Lawrow in Moskau, die Panne aufzuklären. «Diese haarsträubende Aktion darf nicht unbeantwortet bleiben», forderte Lawrow.

Allerdings hätten Garipowa beim Song Contest am Samstagabend auch zehn Punkte mehr nicht zu Rang vier verholfen. Aserbaidschans Kandidat Farid Mammadov hatte aus Russland volle zwölf Punkte erhalten und war insgesamt Zweiter geworden.

Final-Platzierungen Eurovision Song Contest 2013

Startnr.LandInterpretTitelPunkte
1.DänemarkEmmelie de ForestOnly Teardrops281
2.AserbaidschanFarid MammadovHold Me234
3.UkraineZlata OgnevichGravity214
4.NorwegenMargaret BergerI Feed You My Love191
5.RusslandDina GaripovaWhat If174
6.GriechenlandKoza Mostra feat. Agathon IakovidisAlcohol Is Free152
7.ItalienMarco MengoniL'Essenziale126
8.MaltaGianlucaTomorrow120
9.NiederlandeAnoukBirds114
10.UngarnByeAlexKedvesem (Zoohacker Remix)84
11.MoldauAliona MoonO Mie71
12.BelgienRoberto BellarosaLove Kills71
13.RumänienCezarIt's My Life65
14.SchwedenRobin StjernbergYou62
15.GeorgienNodi Tatishvili & Sophie GelovaniWaterfall50
16.WeissrusslandAlyona LanskayaSolayoh48
17.IslandEythor IngiÉg Á Líf47
18.ArmenienDoriansLonely Planet41
19.EnglandBonnie TylerBelieve In Me23
20.EstlandBirgitEt Uus Saaks Alguse19
21.DeutschlandCascadaGlorious18
22.LitauenAndrius PojavisSomething17
23.FrankreichAmandine BourgeoisL'enfer Et Moi14
24.FinnlandKrista SiegfridsMarry Me13
25.SpanienESDMContigo Hasta El Final (With You Until The End)8
26.IrlandRyan DolanOnly Love Survives5

18 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Igor B., Zürich
    Hallo g&g und SRF Zwei Fragen zum ESC 2013: 1. Gibt es irgendwo eine Quote zum ESC auf SRF oder ist die noch per Gerichtsbeschluss unter Verschluss? 2. Langsam kommt ja die Diskussion um die Stimmenschummeleien ins Rollen. Russland hat den ersten Stein geworfen und vergessen, dass auch sie im Glashaus sitzen. Nicht, dass dies was Neues wäre, wir denken an Spanien 1968... Wo führt ihr die Diskussion? Interessant dazu auch: http://eurovision.blog.ndr.de/2013/05/22/warum-schweigt-die-ebu/
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Arnold Husy, Lottstetten
    Die Veransrtaltung kann als Volksbelustigung verstanden werden. Ernst nimmt dieser sogenannte Wettbewerb doch wohl kaum noch einer. Zum Glück hat der TV ja den berühmten Knopf, mehr verdient die Veranstaltung nicht.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Bader Armin, Balsthal
    Dieser Wettbewerb ist nicht mehr legitim. Früher war das eine sehr schöne und realistische Sendung. Seitdem aber die Ostblockstaten dabei sind, haben sie die Realität völlig verloren. Die Schweiz und das schweizer Fernsehen sollten diesen ins Politikum abgetriffteten Wettbewerb boikotieren, und das Geld lieber in die sehr guten eigenen Produktionen wie z.B. Alpenrösli, Alpenrosen ect. investieren. Diese Sendungen zeigen ja, dass wir Schweizer Superinterpreten haben.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von S.M. Hatten, Zürich
      Zwei Punkte: 1. Das mit den Osrtblockstaaten ist ein Märchen. Die wurden heuer im Halbfinal auch grosszügig abgewählt. 2. In einer Sendung in der nur Schweizer Mittelmass vorkommt, ist es einfach als "Superinterpret" dazustehen. Sobald wir aber im europäischen Vergleich bestehen müssen, wirds eng. Das hat nichts damit zu tun, dass uns niemand lieb hat. Sondern schlicht mit unserer Selbstzufriedenheit.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen