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Sportliche Seniorin: «Ich fühle mich stigmatisiert»
Aus Espresso vom 27.05.2020.
abspielen. Laufzeit 04:48 Minuten.
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Risikogruppe Ü65 Sportliche Seniorin: «Ich fühle mich stigmatisiert»

Der Zahnarzt wimmelt sie ab, der Masseur auch: Eine sportliche und gesunde 74-Jährige fühlt sich diskriminiert.

Als der Bundesrat Ende April erste Lockerungsschritte bekanntgibt, ist auch eine 74-jährige Hörerin des SRF-Konsumentenmagazins «Espresso» aus Basel erleichtert. Endlich würde sie wieder einmal zur Dentalhygiene gehen können. Oder Termine buchen beim Masseur, beim Osteopathen oder der Pilates-Gruppe.

Wegen des Alters nicht erwünscht

Doch es folgt ein arger Dämpfer: Zahnarzt, Masseur, Osteopath und Pilates-Kurs wollen sie abwimmeln. Begründung: Sie gehöre zur Risikogruppe. Sie habe regelrecht dafür kämpfen müssen, dennoch einen Termin zu bekommen, erzählt sie. Doch beim Zahnarzt, zum Beispiel, habe man ihr erneut signalisiert, sie sei nicht erwünscht.

Die 74-Jährige sagt: «Ich fühle mich stigmatisiert.» Dabei sei sie noch gesund und fit. Sie führt überdies auch noch eine Einzelfirma, mit der sie Unternehmen in Sachen Personalwesen berät.

BAG: Keine Änderung geplant

Schuld an der Ausgrenzung sind ihrer Ansicht nach die Corona-Empfehlungen des Bundes, wonach weiterhin alle 65-Jährigen zur Risikogruppe gezählt werden. Die Hörerin findet, es wäre viel sinnvoller, zu differenzieren und die Empfehlungen vermehrt auf Personen zu fokussieren in einer schlechten gesundheitlichen Verfassung oder mit Vorerkrankungen. So könne der Stigmatisierung entgegengewirkt werden.

Beim Bundesamt für Gesundheit (BAG) heisst es auf Anfrage, vorderhand bleibe die Hoch-Risikogruppe so definiert, sprich: Menschen ab 65 gelten auch weiterhin generell als besonders gefährdet und sollen auch besonders vorsichtig sein.

alt Bundesrätin fordert Differenzierung

Diese Empfehlung sei am Anfang der Coronakrise und des Lockdowns noch sinnvoll gewesen, aber unterdessen überholt, sagte hingegen alt Bundesrätin und Pro-Senectute-Stiftungsratspräsidentin Eveline Widmer-Schlumpf Mitte Mai in der SRF-Talksendung «Gredig direkt»: Aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse würden zeigen, dass man ab 65 nicht automatisch zu den besonders Gefährdeten gehöre.

Viel relevanter als das Alter sei die Frage der Vorerkrankungen. «Diese Unterscheidung muss man viel stärker machen, sonst wird langfristig tatsächlich die ganze Gruppe der Ü-65-Jährigen stigmatisiert.»

Tatsächlich konnte man in der Presse schon mehrfach über Vorfälle lesen, bei denen Senioren in der Öffentlichkeit nur wegen ihres Alters angepöbelt und beschimpft wurden. «Das kann es nicht sein», so Widmer-Schlumpf.

Die wichtigsten Informationen zum Coronavirus:

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Espresso, 27.05.20, 08:13 Uhr

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39 Kommentare

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  • Kommentar von Franz NANNI  (igwena ndlovu)
    Dass aeltere und deshalb iR weniger widerstandsfahige Menschen sterben einfach eher, aber anstecken oder angesteckt werden ist doch in etwa gleich...es braucht immer (IMMER) einen Kranken der ansteckt und seine Viren verteilt..
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  • Kommentar von Martha Bosshard  (Rheintal)
    Ich finde , es braucht keine Grenze. Es kann mitgeteilt werden, wer gefährdet ist und dann kann jeder persönlich entscheiden, ob er sich absondern will. Das war eine willkürliche Bevormundung und Diskriminierung von den Alten und darf nie mehr vorkommen.
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  • Kommentar von Diana Widmer  (anaid)
    Immer wieder lese ich das es keine. Vorschriften für. Ältere gibt.
    Stimmt der Bund hat nur empfohlen. Aber schaut mal was einzelne Kantone daraus machen.
    Seit Wochen dürfen Bewohner von z. B. Altenheimen im Thurgau nicht das Gelände der Institution verlassen.
    Den die Umsetzung der Empfehlungen wird den Kantonen überlassen und da gibt es, wie im Thurgau, sehr restriktive Anweisung.
    Es werden Menschen die selbstbestimmt leben können verboten selbst zu entscheiden!
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