Care Farming – Demenz-Betreuung auf dem Bauernhof

Immer mehr Demente brauchen Pflege. Immer mehr Bauernhöfe können von der Landwirtschaft allein kaum leben. Warum nicht Menschen mit Demenz pflegen, fragten sich die Holländer vor über 10 Jahren. Heute verdienen sich 200 Bauernhöfe damit einen Zustupf – in der Schweiz erst einer.

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Demenzkranke – Betreuung auf dem Bauernhof

24 min, aus Puls vom 6.2.2017

Menschen mit Demenz auf Bauernhöfen betreuen, wo es natürliche Betätigungsfelder gibt, vom Kühe füttern über Gemüseanbau bis zur Hühnerpflege. Diese bestechende Idee hatte Pflegefachfrau Luzia Hafner vor 11 Jahren. Sie hatte selbst Demenzkranke in offiziellen Institutionen betreut und gemerkt, «dass mir das Betreuungsangebot da nicht reicht, ich würde gerne individueller auf den einzelnen Menschen eingehen.» Also wurde sie zur Pionierin.

Zwei Zimmer, welche die Familie nicht mehr brauchte: Ganz klein begann die Familie Hafner mit jeweils täglich zwei dementen Menschen, die in den Familienalltag integriert wurden.

Es gibt immer etwas zu tun

Heute bietet der Hof Obergrüt bei Ruswil fünf Ferienplätze und vier Tagesplätze und ist das ganze Jahr ausgebucht. Aus 14 Kantonen kommen die «Gäste» ins Luzernische.

Anders als in andern Tagesstätten muss man auf dem Bauernhof keine künstlichen Aktivitäten erfinden. Es gibt immer was zu tun, sei es im Garten beim Gemüse und den Kräutern, im Stall bei den Kühen oder bei der Pflege der Hühner. Wichtig auch das tägliche gemeinsame Vorbereiten des Mittagsessens. Die Gäste werden individuell dort abgeholt, wo ihre Vorlieben und Stärken liegen.

Jetzt will Luzia Hafner den Hof ausbauen und ihr Angebot mehr als verdoppeln. Das alles geht nur mit extrem viel persönlichem Engagement. In der Schweiz gibt es keine vergleichbaren Angebote, also muss Luzia Hafner mit dem Projektteam alles selber erarbeiten, sich um alle Bewilligungen, Einstufungen, Personalfragen kümmern.

Entlastung für die Angehörigen

Vielfach warten die Angehörigen sehr lange, bis sie eine Fremdbetreuung in Betracht ziehen, gehen an ihre Belastungsgrenzen und darüber hinaus. «Sie brauchen hin und wieder einfach eine Verschnaufpause», sagt Luzia Hafner. «Wir betracthen uns als Abschnittbegleiter in einer Phase, in der der Heimeintritt noch nicht notwendig ist, es aber zu Hause für die Angehörigen nicht mehr ohne Hilfe geht.»

Sie ist überzeugt, dass durch diese Pausen der Angehörigen die Heimeintritte hinausgezögert werden können.

Respekt

Und die Motivation? Warum dieses grosse Engagement von Luzia Hafner? «Ich finde, diese Menschen haben Respekt und Anerkennung verdient. Sie haben ein Leben lang gearbeitet, haben viel geleistet. Jetzt im letzten Lebensabschnitt sind sie krank und erleben grosse Verluste. Trotzdem merke ich, dass sie sehr zufrieden sein und immer wieder glückliche Momente haben können, wenn man sich für sie engagiert. Und das haben sie verdient.»

Vorreiter Niederlande

In den Niederlanden hat die Betreuung von Dementen in den letzten Jahren einen Boom erlebt. Die Bauern haben sich früh zusammengeschlossen und wurden auch von der Politik unterstützt.

Heute ist das System der Care-Farmen (auch für andere Pflegebereiche) gut verankert und dank regionalen Kooperationen sind die Bauern nicht auf sich allein gestellt. Insgesamt 1200 Care-Farmen gibt es mittlerweile im ganzen Land, wovon rund 200 auch Menschen mit Demenz betreuen.

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