Tschuri ist heil an der Sonne vorbeigekommen

Auf seinem Weg zur Sonne wurde Tschuri täglich aktiver und schleudert Fontänen aus Gas und Staub ins All. Unbeschadet bestand er nun den sonnennächsten Punkt auf seiner Umlaufbahn. Vorbei ist es mit der Unruhe auf Tschuri aber nicht.

Drei Bilder mit unterschiedlichen Stadien eines Gasausstosses auf dem Kometen 67p/Tschurjumow-Gerassimenko

Bildlegende: Der bisher gewaltigste Gasausbruch auf Tschuri: Diese drei Bilder wurden am 29. Juni 2015 im Abstand von 18 Minuten mit einer Kamera an Bord der Sonde Rosetta gemacht. ESA/Rosetta/MPS for OSIRIS Team/MPS/UPD/LAM/IAA/SSO/INTA/UPM/DASP/IDA

Der Komet Tschurjumow-Gerassimenko erreichte am Donnerstag morgens um 4:03 Uhr seinen sonnennächsten Punkt. In 186 Millionen Kilometern Entfernung rauschte er an unserem Stern vorbei. «Es ist alles sehr glatt gegangen, es war kein spektakulärer Vorbeiflug», sagte Paolo Ferri, der Bereichsleiter Satellitenbetrieb der Europäischen Raumfahrtagentur Esa.

Mittlerweile ist er etwa 180 Millionen Kilometer von der Sonne entfernt und dieser Abstand wird sich in den kommenden Wochen nur sehr langsam ändern.

Zerreissprobe im All

Tschuri ist ein poröser Körper aus Eis, Gestein und organischen Materialien, umgeben von Staub und Gas. Seit Wochen wärmt er sich auf seinem Flug zur Sonne auf. Das hinterlässt kräftige Spuren: Die gefrorenen Materialien verdampfen und reissen Kometenstaub mit sich. Es entstehen riesige Gasausbrüche, die Material mit hoher Geschwindigkeit ins All schleudern, sogenannte Jets (siehe Fotos oben).

Derzeit verschwinden einige hundert Kilogramm Kometenmasse im All – pro Sekunde. Im September wird die Aktivität des Himmelskörpers noch zunehmen und den Forschern zusätzliche Details über seine Zusammensetzung und Eigenschaften liefern. «Wir erwarten weitere Explosionen und Staubwirbel bis September», so Ferri. Dennoch rechnen die Experten nicht damit, dass es den Kometen nun noch zerreissen wird.

Rosetta und Philae machen zu schaffen

Seit einem Jahr begleitet die Raumsonde Rosetta Tchuri auf seinem Weg zur Sonne mit wissenschaftlichen Messungen. Als die Sonde letztes Jahr im August beim Kometen ankam, war er noch 500 Millionen Kilometer von der Sonne entfernt und kaum aktiv. Auf sechs Kilometer konnte Rosetta sich ihm nähern, mittlerweile umkreist sie ihn im sicheren Abstand von 300 Kilometern. Näher kann sie nicht heran, da Gas und Staubpartikel die Navigation torpedieren würden.

Weil Rosetta als eine Art Relais-Station dient, könnte der Sicherheitsabstand jedoch eine erneute Kontaktaufnahme mit Philae erschweren. Das Mini-Labor reist auf der Kometenoberfläche mit und sollte von dort Messdaten der Veränderungen auf Tschuri liefern. Doch seit dem 9. Juli haben die DLR-Ingenieure nichts mehr von Philae gehört.

Damit der Lander allenfalls doch Messungen vornehmen kann, wurden ihm nun «blind» Befehle geschickt. Sollte Philae die Kommandos empfangen haben, misst sie mit verschiedenen Instrumenten und speichert die Daten bis zum nächsten Kontakt. Zwei Monate bleiben dafür noch; ab Ende Oktober ist der Lander dann zu weit weg von der Sonne, um ihn wieder aktivieren zu können.

Auf ewig vereint

Wenn sich der Komet dann von der Sonne entfernt und abkühlt, werden sich auch die Gas-Stürme beruhigen. Rosetta kann sich dem Kometen wieder nähern und weiter auf seinem Orbit begleiten. Der führt die beiden durch den Asteroidengürtel um Jupiter herum und nach sechseinhalb Jahren erneut zur Sonne. Rosetta wird diesen nächsten Perihel allerdings nicht mehr erleben.

Die Sonde soll im September 2016 für ihre letzte Ruhe auf den Kometen absinken, den sie so lange umschwärmt hat. Die Chancen, dass das klappt, seien nicht gross, meint Andrea Accomazzo, der Flugdirektor von Rosetta: «Aber wir werden es versuchen». Tschuri, Rosetta und Philae würden dann gemeinsam ihre Runden zwischen Jupiter und Sonne ziehen.

Hitzerekord auf Tschuri

Obwohl die Erde mit 150 Millionen Kilometern näher an der Sonne ist als der Komet bei seinem Vorbeiflug, wird es dort wegen der fehlenden Atmosphäre wesenlich heisser geworden sein als bei uns: nämlich etwa 80 Grad Celsius. Da scheint der irdische Hitzerekord im Death Valley richtig kühl: Er liegt bei 56,7 Grad.