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International «Die Jungen werden wohl ein Nein in die Urne legen»

Die Kapitalverkehrskontrollen seien für die Griechen eine grosse Einschränkung, sagt der Chefökonom der Zürcher Kantonalbank, Anastassios Frangulidis. Er ist Grieche und hat die Lage vor Ort beobachtet. Er hofft, dass eine Mehrheit für den Euro stimmen wird.

SRF News: Herr Frangulidis, Sie waren letztes Wochenende in Thessaloniki. Was war anders als bei früheren Besuchen?

Anastassios Frangulidis: Am Sonntagnachmittag wurde die Einführung von Kapitalverkehrskontrollen bekanntgegeben. Als Folge sind die Menschen zur Bank gegangen und haben versucht, so viel wie möglich von ihren Ersparnissen zurückzuholen. Die Menschen in Griechenland sind verunsichert. Die Stimmung ist viel schlechter geworden.

Woran haben Sie das gemerkt?

An den Reaktionen der Menschen. Sie warteten entweder vor der Bank, um die 60 Euro, die sie noch beziehen können, abzuheben, oder sie haben miteinander diskutiert.

Wie erleben Ihre Freunde und Bekannten diese die Einschränkungen im Alltag?

Ich denke, die Tatsache, dass man nur 60 Euro pro Tag beziehen kann, ist eine grosse Einschränkung der persönlichen Freiheit. Wenn man etwas geplant hat, fragt man sich, ob es überhaupt möglich sei, jetzt beispielsweise in die Ferien zu gehen. Die Rentner fragen sich, ob sie ihre Rechnungen mit 60 Euro am Tag bezahlen können.

Was sagen die Banker?

In den Diskussionen mit Bankern geht es um die Frage, wie es mit der Volkswirtschaft weitergehen wird. Als Folge der Einführung der Kapitalverkehrskontrollen können Unternehmen ihre Rechnungen nicht bezahlen, beziehungsweise können kein Geld ins Ausland ausführen und so können sie auch keine Vorleistungen aus dem Ausland beziehen. Die Angst ist gross, dass die griechische Volkswirtschaft erneut abstürzt und eine erneute Rezession mit hoher Arbeitslosigkeit erleben wird.

In der Schweiz hat man den Eindruck, die griechische Bevölkerung sei in Bezug auf das angekündigte Referendum gespalten. Stimmt das?

Ich habe auch diesen Eindruck erhalten. Es scheint mir, dass vor allem die älteren Menschen und solche, die einen guten und sicheren Job haben, am kommenden Sonntag für den Verbleib Griechenlands in der Euro-Zone abstimmen werden. Die Jungen hingegen, werden eher ein Nein in die Urne legen. Vermutlich wird es ein knappes Resultat geben.

Bestimmt schauen Sie nächstes Wochenende gespannt auf Griechenland. Hoffen Sie auf ein Ja oder ein Nein beim Referendum?

Ich hoffe, dass die Bevölkerung Ja stimmen wird. Ein Ja heisst nicht nur der Verbleib in der Euro-Zone. Es würde den neuen Vertretern Griechenlands auch die Möglichkeit geben, die Beziehungen zur EU und den Gläubigern nachhaltig zu verbessern und hoffentlich eine Lösung zu finden.

Das Gespräch führte Tina Herren.

11 Kommentare

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  • Kommentar von P. Stalder, Luzern
    Ist doch völlig egal was abgestimmt wird, alle wissen, dass am Ende der eigentliche Verursacher --->die EU-Diktatur! für ihre Fehler bezahlen muss; je länger es dauert um so mehr bezahlt die EU. Kommt noch hinzu, dass die USA ein viel grösseres strategisches Interesse am EU-Verbleib der Griechen hat, als die EU-Diktatoren. Wäre nicht überrascht, wenn in diesem Game langfristig die USA als "Sponsor-Player" die Griechen mit "Gegenleistung" kaufen würde.
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  • Kommentar von m.mitulla, wil
    Sollten die Griechen die Fortsetzung der zerstörerischen Verschuldungspolitik der letzten 5 Jahre wieder wählen, dann sind sie auf die EU-Proaganda hereingefallen. Ich kann es mir fast nicht vorstellen. Die 2 Youngsters an der Macht haben (ausser harter Kommunikation) kaum Fehler gemacht im Vergleich zur EU und den vorhergehenden Griechischen Regierungen.. Da sind über 240 der 320 Mia. € Schulden überhaupt erst entstanden und gleichzeitig ist die Wirtschaft erlahmt, die Löhne und Renten halbiert
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    1. Antwort von Hans Glauser, Herlisberg
      Jede Minute Wartezeit am Bancomat generiert ein JA an der Urne;-)
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  • Kommentar von Urs Keller, Binningen
    Griechenland braucht in den nächsten 3 Jahren 50 Milliarden €, das sagt eine Studie des IWF, demnach geht der Schuldenstreit weiter und alles ist wie bisher nur noch ein bisschen schlimmer.
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