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International Hillary Clinton warnt vor Putin

Während sich prorussische Separatisten aus ostukrainischen Städten zurückziehen, kündigt Kiew weitere harte Kämpfe an. Die «Umzingelung der Terroristen» müsse verstärkt werden, betont der ukrainische Präsident. Ex-US-Aussenministerin Clinton warnt derweil mit Blick auf die Ukraine vor dem Kremlchef.

Hillary Clinton
Legende: Clinton: Nicht zulassen, dass ein politischer Führer die Grenzen Europas nach dem Zweiten Weltkrieg neu zieht. Reuters / Archiv März 2014

Nach der Rückeroberung der ostukrainischen Stadt Slawjansk aus der Hand prorussischer Separatisten hat der ukrainische Präsident Petro Poroschenko eine Fortsetzung der Offensive im Osten des Landes angekündigt.

Ein Mann redet vor Mikrofonen
Legende: Präsident Poroschenko: Die jüngsten Erfolge sind kein vollständiger Sieg. Für Freuden-Feuerwerke ist es zu früh. Reuters

«Dies ist noch kein vollständiger Sieg», erklärte Poroschenko, nachdem über dem Rathaus von Slawjansk wieder die ukrainische Flagge gehisst worden war. «Die Zeit für ein Feuerwerk ist noch nicht gekommen.» Die «Umzingelung der Terroristen» müsse verstärkt werden, um die Regionen Donezk und Lugansk zu «befreien».

«Die Lage ist sehr schwierig»

Poroschenko schwor die Armee und die Bevölkerung auf einen harten Kampf ein: «Ich bin weit entfernt von Euphorie. Die Lage ist sehr schwierig.» Die Separatisten hätten sich in die Grossstädte zurückgezogen, «und vor uns liegen viele Herausforderungen».

Die prorussischen Milizionäre waren in der Nacht zum Samstag aus Slawjansk abgezogen. Die Armee verzeichnete damit den wichtigsten Erfolg seit dem Beginn ihrer Offensive.

Legende: Video Harte Kämpfe in der Ostukraine abspielen. Laufzeit 01:43 Minuten.
Aus Tagesschau Spätausgabe Wochenende vom 05.07.2014.

Nachhut unter Feuer

Nach ihrem Abzug verteilten sich die Kämpfer aus Slawjansk in mehrere Städte der Umgebung. Laut ukrainischem Innenministerium zog ein Teil der Milizionäre in die 260'000-Einwohner-Stadt Gorliwka südöstlich von Slawjansk weiter. Auch in Donzek trafen zahlreiche Separatistenkämpfer ein. Augenzeugen beobachten Lastwagen und Autos mit Kämpfern auf dem Weg in die Industriestadt.

Nachhuten der Aufständischen, die den Abzug ihrer Kameraden aus Slawjansk und Kramatorsk sichern sollten, gerieten am späten Samstagabend und in der Nacht unter Artilleriebeschuss. Anwohner berichteten von heftigem Trommelfeuer und Bränden in den Vororten der einstigen Hochburgen, meldete die russische Agentur Ria Nowosti.

Verteidigungslinien um Donezk

In Donezk trafen unterdessen grössere Verbände der Separatisten ein. Die Fahrzeugkolonnen, in denen auch Panzer und Schützenpanzer gesichtet wurden, erreichten am Samstagabend die Zufahrten zu der Stadt, wie die russische Agentur Itar-Tass meldete.

«Keine Angst, das sind nicht die Panzer, vor denen sie Angst haben müssen», versuchten die Separatisten, die Bevölkerung zu beruhigen. Die bewaffneten Aufständischen seien umgehend in die Verteidigungslinien rund um Donezk eingegliedert worden.

Legende: Video Einschätzung von SRF-Korrespondent Christof Franzen abspielen. Laufzeit 02:05 Minuten.
Aus Tagesschau vom 05.07.2014.

Umfangreiche Personenkontrollen

Nach Angaben der Regierung hisste das Militär zum Zeichen der Rückeroberung die ukrainische Flagge über dem Rathaus von Slawjansk. Poroschenko befahl, unverzüglich Brot, Wasser, Zucker und Fleisch in die befreiten Orte zu bringen. «Ausserdem sind bereits Arbeiter auf dem Weg, um die zerstörten Gebäude sowie Wasser- und Energieleitungen zu reparieren», betonte der Präsident.

Nach Darstellung der russischen Agentur Ria-Nowosti begannen umfangreiche Personenkontrollen in Slawjansk, zahlreiche Verdächtige seien festgenommen worden.

Moskau: Heisse Phase bald vorbei

Die Aufständischen wollten nicht von einer Niederlage reden. Die Kämpfer seien nicht vor der Armee aus Slawjansk geflohen, sondern sie hätten lediglich zum Schutz der Zivilbevölkerung die Stellung gewechselt, sagte der Separatistenanführer Andrej Purgin. «Unser Widerstand ist nicht gebrochen.»

Soldaten an einem Panzer
Legende: Ukrainische Einheiten rüsten sich für neue schwere Kämpfe mit den Separatisten. Reuters

Der Ukraine-Sonderbeauftragte des russischen Aussenministeriums, Konstantin Dolgow, rechnet mit einem zeitnahen Ende der Kämpfe. Die «heisse Phase» könne in einigen Wochen vorbei sein. «Die Überwindung dieser Krise wird aber Jahre dauern», sagte der Moskauer Diplomat. «Das Land ist zweifellos sehr tief gespalten.»

Ein von Poroschenko für Samstag vorgeschlagenes Treffen der Ukraine-Kontaktgruppe fand derweil nicht statt. «Zeit, Ort und Format» eines Treffens würden beraten, dabei habe es jedoch bislang keine Fortschritte gegeben, berichtete die russische Nachrichtenagentur Interfax.

Clintons Warnung vor Putin

Als Konsequenz aus der russischen Ukraine-Politik hat die frühere US-Aussenministerin Hillary Clinton ein entschiedenes Vorgehen des Westens gefordert. Die jüngste Aggression von Kremlchef Wladimir Putin müsse mit einer gemeinsamen Reaktion beantwortet werden, sagte die mögliche US-Präsidentschaftskandidatin der «Bild am Sonntag».

«Wir können nicht zulassen, dass ein politischer Führer die Grenzen Europas nach dem Zweiten Weltkrieg neu zieht», fügte sie mit Blick auf die Aneignung der ukrainischen Schwarzmeerhalbinsel Krim durch Russland hinzu.

Hillary Clinton
Legende: Hillary Clinton: Ein Mann wie Putin geht immer bis an die Grenzen. Reuters

Über Putin sagte sie demnach: «Ich glaube, er kann gefährlich sein. Ein Mann wie Putin geht immer bis an die Grenzen.» Die Frau von Ex-Präsident Bill Clinton gilt als mögliche Kandidatin der US-Demokraten für die Präsidentenwahl 2016. Bislang lässt sie aber offen, ob sie antreten will.

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34 Kommentare

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  • Kommentar von Markus Guggisberg, Busswil
    ... und wer schützt uns vor Hillary ???
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  • Kommentar von Gerhard Himmelhan, 3904 Naters
    In ca. 35-40 Jahren wird es ca. 4-5 Milliarden Asiaten mehr geben ohne den Rest der Welt. Die wollen alle essen, Auto fahren, wohnen usw. Die Zeit vergeht schnell. Wenn es so weiter geht werden auch in Afrika die Rohstoffe weitgehend ausgebeutet sein. 40 Jahre ist von jetzt aus gesehen eine lange Zeit. Sie vergeht schnell! Europa muss sich wohl oder übel mit USA arrangieren denn für jeden wird dieser auf uns zukommende Kraftakt zu schwer sein. Asien interessiert die Jahre 1914,1939 keinen Deut
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    1. Antwort von A.Käser, Zürich
      G.H./Spielt das eine Rolle?Mensch ist Mensch.China hat bereits das 1-Kind System.Wird oftmals von besonders"menschenfreundlicher"Seite bemängelt.Wieso?Man könnte sich auch bei den rücksichtsvollen Chinesen bedanken.Gefährlich wird es dort,wo"ihr Kinderlein kommet"-Institutionen "am Werk" sind.Mit ihrem Ethnien-Knacks und ihrer Menschenverachtung als"Zuchbeschleuniger"wirken.Wo liegt das Problem?Die Geburt des Menschen,ist die Geburt seiner Not.Hat sowieso mehrheitlich"Null Ahnung" wieso er lebt.
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    2. Antwort von Juha Stump, Zürich
      Sie drücken es genau richtig aus. Es könnte schon bald die Zeit kommen, in der die Russen den "bösen" Westen auf Knien und unter Tränen bitten, ihnen zu helfen, weil die Chinesen mit Dutzenden von Millionen in Sibirien eingefallen sind, um es zu bevölkern. Ein Blödsinn? Abwarten, die Weltgeschichte ist auch im Fernen Osten noch längst nicht fertiggeschrieben!! - @A. Käser: Das Ein-Kind-System ist in China inzwischen etwas gelockert worden, weil es heute viel zu wenig Frauen gibt.
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  • Kommentar von Susanne Lüscher, Gossau
    Nicht vor Putin sondern von den Politikern des Westens muss gewarnt werden.
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