Klimaabkommen mit Hintertürchen?

Die Welt feiert die Einigung auf dem Weltklimagipfel. Was aber wird nun aus dem Emissionshandel? Das Abkommen könnte den Weg für ein globales Handelssystem für Emissionen bilden.

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Wie sollen nun die Pariser Klimaziele umgesetzt werden?

1:59 min, aus Tagesschau vom 13.12.2015

Viele Grossunternehmen haben sich vom Pariser Klimagipfel vor allem einen Einstieg in den internationalen Handel mit Kohlendioxid-Emissionsrechten erhofft. Die Idee dahinter ist, dass mit dem Kauf und Verkauf von Rechten für die Freisetzung von CO2 über die Kräfte des freien Marktes ein Anreiz geschaffen wird, die Emissionen des Treibhausgases zu reduzieren. Auf den ersten Blick könnte das Pariser Abkommen diese Hoffnungen enttäuschen, bei genauer Betrachtung lässt es aber die Tür für einen globalen Emissionshandel offen.

Emissionshandel zwischen Staaten möglich


Heute feiern, morgen handeln

4:28 min, aus Echo der Zeit vom 13.12.2015

Mehrere Staaten hatten sich in den Debatten dagegen ausgesprochen, das Klimaproblem den freien Marktkräften zu überlassen. Das Abkommen enthält aber Formulierungen, die nach Ansicht von Experten eine Brücke zu einem globalen Handelssystem für Emissionsrechte schlagen könnte.

So stellt das Dokument den Unterzeichnerstaaten frei, CO2-Einsparungen international auf freiwilliger Basis zu transferieren. Damit wäre ein Kauf von
Emissionsrechten von anderen Staaten möglich. Das könnte die Basis für eine Verknüpfung des europäischen Handelssystems für Emissionsrechte (ETS) mit dem für 2017 geplanten chinesischen Handelssystem sein.

Politischer Teil ist nicht bindend

Der Weg zu einem globalen Emissionshandel dürfte allerdings beschwerlicher sein, als von der Wirtschaft erhofft. Einen direkten Verweis darauf gibt es in dem Pariser Abkommen nur in dem nicht verbindlichen politischen Teil des Textes.

Dort wird auf die wichtige Rolle verwiesen, die Anreize für die Reduzierung der Treibhausgas-Emissionen spielten. Dazu könnten auch Preise für Kohlenstoff-Emissionen gehören. Konkretere Formulierungen in dem Text hätten nach den Worten von Delegierten den Gesamtskonsens gefährdet, denn einige Staaten lehnten die Idee, das Klimaproblem mit den Instrumenten des Marktes zu lösen, völlig ab.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Einigung am Weltklima-Gipfel COP21

    Aus Tagesschau vom 12.12.2015

    Der Weltklimavertrag steht. Die Erderwärmung soll auf unter 2°C begrenzt werden. Nach mehrmaliger Verzögerung haben die Teilnehmer-Länder sich am Abend einigen können. Einschätzungen zum Vertrag von Paris von SRF-Sonderkorrespondent Jürg Brunner