Mit oder ohne Gott: Wer überzeugt die Evangelikalen in Iowa?

Vor der US-Präsidentschaftswahl stehen die Vorwahlen. Traditionell startet der Reigen in Iowa. Dort müssen am Montag vor allem die konservativen Wähler der Evangelikalen überzeugt werden. Deren Favorit ist Ted Cruz – eigentlich. Denn auch bei den Gläubigen wird Donald Trump immer beliebter.

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Ted Cruz und Donald Trump buhlen um die Gläubigen

5:15 min, aus 10vor10 vom 29.1.2016

Für die Präsidentschaftskandidaten im US-Wahlkampf wird es ernst. Sie müssen nun in den Vorwahlen überzeugen. Traditionell startet der Vorwahlreigen in Iowa. Dabei könnte der 1. Februar für einige Kandidaten zum echten «Stahlbad» werden, denn vor allem die ultra-konservativen Evangelikalen müssen überzeugt werden.

Sie stellen zwar «nur» einen Bevölkerungsanteil von 27 Prozent in Iowa. Aber sie sind pflichtbewusste Wähler. Bisher war ihr Favorit Ted Cruz, doch selbst bei den gläubigen Kirchgängern steigt Donald Trump in der Gunst.

Gegen Homo-Ehe und Abtreibung

Evangelikale Protestanten gehören zu den konservativsten Gruppen in den USA. Sie leiten ihr Handeln direkt aus der Bibel ab und sind gegen Abtreibung und Homo-Ehe.

Pfarrer Bill Tvedt perdigt von seiner Kanzel.

Bildlegende: Pfarrer Bill Tvedt fordert die Evangeliken auf, wählen zu gehen. SRF

«Evangelikale glauben an die Ehe nur zwischen Mann und Frau, und dass das Leben mit der Befruchtung beginnt. Wir lieben die Homosexuellen, aber wir glauben nicht, dass es eine Lebensform ist, die für Gott akzeptabel ist», erklärt Bill Tvedt, der evangelikale Pfarrer der Kirche Oskaloosa, gegenüber «10vor10». In seiner Predigt spricht Tvedt auch über die Wahlen. Seine Botschaft ist klar: Es sei für jeden Evangelikalen die absolute Pflicht, an den kommenden Wahlen teilzunehmen.

Die Gläubigen sind tatsächlich disziplinierte Wähler. Das kann Politologe Dennis Goldford von der Drake Universität in Des Moines bestätigen. «In Iowa sind etwa 27 Prozent der Bevölkerung Evangelikale. Bei den letzten Wahlen 2012 machten sie aber fast 60 Prozent der tatsächlich wählenden Menschen aus. Im Vergleich zum Anteil an der Bevölkerung haben sie bei den Wahlen also ein sehr grosses Gewicht», erklärt er.

Die Evangelikalen haben auch in anderen Staaten einen sehr grossen Einfluss. Von den ersten neunzehn Vorwahlstaaten, werden sie in zehn Staaten 50 bis 70 Prozent der Wählerschaft ausmachen.

Karte der USA mit den einzelnen Bundesstaaten. Markiert sind die Staaten wo die Evangelikalen 50-70 Prozent der Wähler ausmachen.

Bildlegende: Die Evangelikalen stellen in einigen Bundesstaaten die Mehrheit der Wähler. SRF

Ist Trump religiös genug?

Laut Umfragen liegen bei den Republikanern Ted Cruz und Donald Trump an der Spitze. Der texanische Senator Cruz, Sohn eines Pfarrers und Tea-Party-Mitglied verkörpert konservativste Werte, sieht sich als Vertreter der Evangelikalen. Milliardär Donald Trump dagegen stilisiert sich als «Enfant Terrible» und Anti-Politiker.

Über die Religiosität des gemässigten Protestanten kommen bei den Evangelikalen immer wieder grosse Zweifel auf, wie bei Pfarrer Bill Tvedt. «Die Tatsache, dass seine Frau nackt für ein Magazin posierte, dass er in seiner Autobiografie schreibt, er habe mit so vielen wunderschönen Frauen dieser Welt geschlafen, dass er Kasinos mit Strip-Lokalen hat – all das lässt uns glauben, dass seine Religiosität keinen Einfluss auf sein Leben hat.»

Trotzdem unterstützen immer mehr Evangelikale Donald Trump – stehen wie tausende andere Fans stundenlang an, um ihn bei seinen Auftritten zu sehen. Der Milliardär steigt in der Gunst der Gläubigen. «Trump glaubt an Gott, das reicht mir», erklärt eine Frau während sie auf den Auftritt von Trump wartet. Ein Mann in der Warteschlange erklärt, er brauche keinen Sonntagsschullehrer, er wolle jemanden, der für ihn kämpfe – keinen Pfarrer.

Ted Cruz als Silhouette – mit der rechten Hand und ausgestrecktem Finger zeigt er schräg nach oben.

Bildlegende: Ted Cruz ist eigentlich der Kandidat der Evangeliken. Kann er seinen Widersacher Donald Trump in Schach halten? Reuters

Die «Angst» wählt mit

Die wachsende Zustimmung für Donald Trump ist Steve Dearce ein Dorn im Auge. Der evangelikale Radio-Macher unterstützt Ted Cruz und versucht in seinen Shows Millionen von Menschen in den USA zu überzeugen. «Wenn die Menschen verzweifelt sind, wenn sie Angst haben, dann fällen sie bei Wahlen die schlimmsten Entscheidungen. Trump nützt das auf zynische Art und Weise aus», kritisiert Dearce.

«Aber am Montag, wenn die Menschen abstimmen und an den Wahl-Versammlungen ihren Entscheid vor ihren Mitbürgern rechtfertigen müssen, so wie das hier in Iowa ist, dann – dann wird Ted Cruz gewinnen», ist er überzeugt.

Die Gläubigen in Oskaloosa bekommen in der Kirche keine Wahl-Empfehlung. Sie werden am Montag die Person wählen, der sie sich in ihrem Glauben am nächsten fühlen.

Grafik zum Wahlkampf