UNO-Sicherheitsrat für Feuerpause in Gaza

Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen fordert einen «sofortigen und bedingungslosen Waffenstillstand» im Nahen Osten. Israelis und Palästinenser sollen die Kämpfe einstellen, um Hilfe zu ermöglichen. Unterdessen kam es bereits wieder zu einem Schlagabtausch zwischen beiden Seiten.

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UNO fordert Waffenruhe

0:50 min, aus Tagesschau am Mittag vom 28.7.2014

Das mächtigste UNO-Gremium, der Sicherheitsrat, war um Mitternacht (Ortszeit) in New York zu einer eilig einberufenen Sondersitzung zusammengetreten.

Kurz darauf wurde eine Erklärung abgegeben: «Der Sicherheitsrat fordert die vollständige Beachtung des internationalen Rechts, einschliesslich des Schutzes der Zivilisten, und wiederholt seine Forderung nach Schritten zum Wohlergehen der Zivilisten», heisst es in dem Papier.

Der Rat sei «tief besorgt» wegen der Verschärfung der Situation und des Todes von Zivilisten. Er unterstützte zugleich die Friedensbemühungen Ägyptens, von UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon und der USA.

Trotz UNO-Aufruf: Angriffe gehen weiter

Nach einem nächtlichen Abflauen der Gewalt kam es am Montagmorgen wieder zu einem Schlagabtausch zwischen beiden Seiten.

Die israelische Armee beantwortete einen Raketenangriff aus dem Gazastreifen mit Artilleriefeuer. Der Abschussort in Beit Lahia im nördlichen Teil des Palästinensergebiets sei beschossen worden, bestätigte eine israelische Armeesprecherin in Tel Aviv.

Anschliessend griff die Armee nach eigenen Angaben zwei verborgene Raketenabschussrampen sowie angebliche Waffenschmieden im Norden und Zentrum des Gazastreifens an. Danach feuerten militante Palästinenser wiederum vier Raketen auf Israel ab.

Auch ägyptische Armee greift ein

Armeesprecher Moti Almos sagte, die Truppen würden weiter Tunnel zerstören. «Wenn es Angriffe gibt, reagieren sie.» Auch Ägyptens Armee zerstörte Schmuggler-Tunnel zum Gazastreifen. 14 dieser Röhren seien unpassierbar gemacht worden, verlautete aus Sicherheitskreisen.

Die staatliche ägyptische Zeitung «Al-Ahram» schrieb unter Berufung auf das Militär, dass seit Ende 2012 von ägyptischer Seite mehr als 1600 Schmugglertunnel zerstört worden seien.

Nach einer ersten Weigerung hatte die Hamas am Sonntagnachmittag eine 24-stündige Waffenruhe erklärt, die Israel jedoch nicht offiziell akzeptierte.

1000 tote Palästinenser – 43 tote Israelis

Seit Beginn der Offensive vor drei Wochen sind mehr als 1000 Palästinenser getötet und über 6000 weitere verletzt worden. Auf israelischer Seite kamen 43 Soldaten und drei Zivilisten um.

«Recht auf Selbstverteidigung»

«Recht auf Selbstverteidigung»

Auch US-Präsident Barack Obama forderte bei einem Telefonat mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu eine sofortige und bedingungslose humanitäre Feuerpause. Ziel sei eine dauerhafte Waffenruhe. Obama verurteilte die Hamas-Angriffe scharf und bekräftigte das Recht Israels auf Selbstverteidigung.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • John Kerry bemüht sich um eine «humanitäre Waffenruhe». Die Erfolgsaussichten sind gering, und Kerry steht massiv in der Kritik.

    Kritik an John Kerry

    Aus Echo der Zeit vom 28.7.2014

    US-Aussenminister John Kerry hat sich stark engagiert für einen Frieden im Nahen Osten - bis er vor Monaten entnervt und ergebnislos aufgeben musste. Jetzt ist er wieder voll im Einsatz und bemüht sich um eine Waffenruhe. Doch statt Erfolg erntet Kerry vor allem Kritik.

    Iren Meier und Beat Soltermann

  • Trauer um eine getötete israelische Soldatin

    Das Dilemma Israels und die Verantwortung der Hamas

    Aus Echo der Zeit vom 27.7.2014

    Seit knapp drei Wochen herrscht im Gaza-Streifen Krieg. Nach einem Tag Waffenruhe und nach Raketenangriffen der Hamas hat Israel seine Offensive fortgesetzt. Auf einen längeren Waffenstillstand kann man sich nicht einigen.

    Ein Gespräch mit dem israelischen Strategieexperten Yossi Alpher über die Strategie Israels und das Versagen der Geheimdienste.

    Roman Fillinger