«Mehr als normal» – Neun Verkehrstote in nur vier Wochen

Auf den Aargauer Strassen starben in den letzten Wochen sechs Menschen bei Verkehrsunfällen, auf den Solothurner Strassen waren es drei. Das sind aussergewöhnlich viel, meinen die Kantonspolizeien und ein Verkehrspsychologe auf Anfrage. Und es gibt Vermutungen, woher die Häufung kommt.

Sechs Verkehrstote in vier Wochen: Diese Bilanz im Kanton Aargau ist besorgniserregend. Zum Vergleich: 2013 starben im Aargau über das ganze Jahr verteilt 15 Personen im Strassenverkehr. Das gibt auch der Kantonspolizei Aargau zu denken.

«  Es gibt mehr tödliche Unfälle als normal. »

Bernhard Graser
Mediensprecher der Kantonspolizei Aargau

Der letzte tödliche Verkehrsunfall im Aargau passierte am Dienstag. Ein Autofahrer starb in Gränichen, als er mit einem Traktor frontal zusammen stiess. Hinzu kommen zwei weitere Todesfälle bei einem Unfall am Sonntag in Seon und drei weitere, verteilt auf den Monat Oktober, ebenfalls im Aargau.

Auffällig viele Lastwagen involviert

Auch im Kanton Solothurn starben im letzten Monat mehr Personen auf den Strassen als sonst. In Gerlafingen, Derendingen und Langendorf starb jeweils eine Person. Und jedes Mal war ein Lastwagen involviert.

«Das ist ein Zufall, wir konnten keinen Zusammenhang zwischen den Unfällen herausfinden», erklärt Melanie Schmid, Mediensprecherin der Kantonspolizei Solothurn, auf Anfrage von SRF. Schlechtes Wetter oder schlechte Sicht? Auch damit hätten die Unfälle nichts zu tun, «der Unfall in Langendorf geschah bei schönem Wetter am Mittag», so Schmid.

Gefährliche Überholmanöver

Auch im Kanton Aargau kann man kein Muster erkennen, wenn man die sechs tödlichen Unfälle der letzten vier Wochen genauer betrachtet. Kantonspolizei-Sprecher Bernhard Graser hat aber eine Vermutung.

«  Wir stellen eine gewisse Aggressivität und Rücksichtslosigkeit im Verkehr fest. »

Bernhard Graser
Mediensprecher Kantonspolizei Aargau

Die Polizei stellt bei ihren Patrouillen vermehrt fest, dass gefährlich überholt wird, erklärt Graser. «Deshalb sind wir mit zivilen Patrouillen unterwegs und ziehen – wenn nötig – fehlbare Verkehrsteilnehmer aus dem Verkehr», fügt der Mediensprecher an.

Neun tödliche Verkehrsunfälle in vier Wochen – das ist auch für den Verkehrspsychologen Uwe Ewerts «sehr viel». Er hat für das Regionaljournal Aargau Solothurn die verschiedenen Medienmitteilungen der Kantonspolizeien angeschaut. Für ihn gibt es zwei mögliche Gründe für die Häufung.

Entweder war es reiner Zufall oder das schöne Herbstwetter der letzten Wochen hatte einen gewissen Einfluss auf die Unfälle, meint Uwe Ewerts:

«  Die schweren Unfälle passieren in der schönen Jahreszeit und auf trockenen Strasse. »

Uwe Ewert
Verkehrspsychologe bei der Beratungsstelle für Unfallverhütung BFU

Für drei der sechs Unfälle im Aargau hat Ewerts noch eine andere Vermutung: «Es handelte sich um Kollisionen, vor allem auf Landstrassen», analysiert er. Diese Strassen seien die gefährlichsten überhaupt. Weil man dort erstens schnell fahren dürfe – mit 80 Stundenkilometern – und weil diese Strassen zweitens nicht so gut gesichert sind wie Autobahnen.

Ewerts nimmt Chauffeure in Schutz

Porträtbild von Uwe Ewerts.

Bildlegende: Uwe Ewerts ist seit 20 Jahren Verkehrspsychologe und arbeitet bei der Beratungsstelle für Unfallverhütung BFU. ZVG

«Auf Landstrassen gibt es keine Mittelleitplanken, und an den Strassenseiten stehen Bäume und andere Hindernisse», argumentiert Ewerts. Bei den drei tödlichen Verkehrsunfälle im Solothurnischen sieht er keine Zusammenhänge, obwohl bei allen ein Lastwagen involviert war.

«Chauffeure sind in der Regel sehr routinierte Verkehrsteilnehmer. Bei diesen Fällen würde ich die Schuld nicht bei Ihnen suchen», meint Ewerts. «Es ist aber eine Tatsache, dass Lastwagen grosse, teilweise unübersichtliches Fahrzeug. Hier sollte man Abstand halten», so Ewerts.