Stadt-Land-Graben bei den Gemeindewahlen in Freiburg

Die SVP darf sich als Gewinnerin der Freiburger Gemeindewahlen sehen: In vielen Gemeinden konnte die Volkspartei zulegen. Ausser in der Stadt Freiburg, wo die Linke ihre Mehrheit zementierte.

Wohnhäuser, dahinter der Moleson.

Bildlegende: Ein Stadt-Land-Graben geht durch Freiburg – die Ausnahme: Bulle (Bild), wo eine doppelte rechte Mehrheit herrscht. Keystone

Drei von fünf Sitzen in der Stadtregierung, 44 von 80 Sitzen im Parlament: Die linken Parteien haben in der Stadt Freiburg auch in den nächsten fünf Jahren das Sagen. Die SVP blieb mit ihrem Angriff auf die Stadtregierung chancenlos und stagnierte auch im Parlament.

Anders in den ländlichen Gemeinden, wo die SVP vielerorts zulegen konnte. So zum Beispiel in Schmitten, Kerzers oder Düdingen, wo sie zusammen vier zusätzliche Sitze im Gemeinderat ergattern konnte.

«Tatsächlich ist ein Trend hin zu einem Stadt-Land-Graben festzustellen», sagt Freiburg-Korrespondent Patrick Mülhauser. Und auch ein Trend hin zu einer Polarisierung, zu Lasten der traditionellen C-Parteien, CVP und CSP.

Die gespaltene CSP

«Viele Zuzüger aus reformierten Kantonen wählen keine katholischen Parteien, die CVP und die CSP verlieren darum stetig an Wähler.» Interessant dabei sei, dass der Stadt-Land-Graben genau durch die CSP verlaufe, weil diese in der Stadt Freiburg linker politisiere als auf dem Land: «In der Stadt verliert die CSP deshalb Wähler an die SP, auf dem Land an die CVP», so Mülhauser.

Die Ausnahme Bulle

Vom Stadt-Land-Graben ausgenommen ist Bulle, mit gut 22'000 Einwohnern die zweitgrösste Stadt des Kantons Freiburg. «In Bulle regiert eine doppelte rechte Mehrheit, im Gemeinderat wie auch im Parlament.» Das habe damit zu tun, dass Freiburg nach wie vor ein ländlich geprägter Kanton sei.

DSI: Gleiches Bild

Auch bei der Abstimmung über die Durchsetzungs-Initiative zeigte sich ein Stadt-Land-Graben: Während der Ja-Anteil in den Städten Freiburg (24 Prozent) oder Villars-sur-Glâne (26 Prozent) äusserst bescheiden war, sagten ländliche Gemeinden wie Jaun (71 Prozent) oder Plasselb (68 Prozent) klar Ja.