Calmy-Rey: Verhandlungen mit PLO waren richtig

Die ehemalige Aussenministerin Micheline Calmy-Rey hält die Verhandlungen zwischen Bundesrat Graber und der PLO im Jahr 1970 für gerechtfertigt. Auch mit Terroristen müsse man in gewissen Situationen in Dialog treten, sagt sie aus eigener Erfahrung. Doch eines stört sie am Vorgehen Grabers.

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Verhandeln mit Terroristen

1:51 min, aus Tagesschau vom 21.1.2016

Darf man mit Terroristen verhandeln, wie es SP-Bundesrat Pierre Graber 1970 tat – geheim, und ohne wenigstens die Bundesratskollegen zu informieren? Alt Aussenministerin Micheline Calmy-Rey sagt im Gespräch mit SRF News: «Manchmal ist es wichtig, geheim zu verhandeln. Wenn man alle informiert, kommen gar keine Verhandlungen zustande.» Grabers damaligen Entscheid, mit der PLO in einen Dialog zu treten, hält sie für «mutig». Er habe im Interesse der Schweiz gehandelt, was Aufgabe des Aussendepartementes sei: «Das hat er gut gemacht.»

Trotzdem schränkt sie ein. Der negative Aspekt sei, dass Graber allein das Interesse der Schweiz im Auge gehabt haben könnte: «Verhandlungen, die nur egoistisch im Interesse der Schweiz geführt werden und die Konsequenzen für die internationalen Partner nicht berücksichtigen, schaden dem Ansehen der Schweiz», so Calmy-Rey.

Das grosse Abwägen

Allgemein hält sie es aber für richtig, sich in gewissen Fällen auch mit Terroristen an einen Tisch zu setzen. «Das Gespräch zu suchen, heisst nicht, dass man ihre Haltung teilt.» In ihrer Amtszeit habe es beispielsweise Verhandlungen mit der Hamas gegeben.

Immer müsse man aber abwägen, ob wirklich etwas zu erreichen sei und welche Konsequenzen es hat, wenn man gar nicht verhandelt. «Oft heisst das Krieg», sagt Calmy-Rey. Die Frage sei aber auch, mit wem man sich an einen Tisch setze: «Wollen sie wirklich in Dialog treten oder ist dies nur ein Lippenbekenntnis, um nicht mehr bombardiert zu werden?» Diese Fragen seien oft sehr schwierig zu beantworten. Und: «Auch wenn man sich für den Dialog entscheidet, resultiert am Ende nicht immer ein Erfolg.»

Palästina zwischen Würenlingen und Zarqa

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

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    «Unmoralisch, aber notwendig im Rahmen der Staatsraison»

    Aus Echo der Zeit vom 20.1.2016

    Am 21. Februar 1970 explodierte im Gepäckraum einer Swissair-Maschine mit Ziel Israel eine Bombe, 47 Menschen starben. Die mutmasslichen Attentäter der palästinensischen Terror-Organisation PLO wurden nie vor Gericht gestellt.

    Ein neues Buch zeigt nun auf: Es gab Absprachen zwischen einem Bundesrat und einem Nationalrat einerseits und der PLO anderseits. Das Gespräch mit einem Zeitzeugen, dem Genfer Alt-Nationalrat Jean Ziegler.

    Simone Fatzer

  • Die Absturzstelle liegt nur ein paar hundert Meter neben dem Atomforschungsreaktor von Würenlingen. Die Ermittlungen zeigen :  Im Frachtraum der Swissair-Maschine ist eine Paketbombe explodiert, ausgelöst durch einen Höhenmesser.

    Terror in der Schweiz - Swissair-Absturz von Würenlingen 1970

    Aus Rendez-vous vom 20.1.2016

    Der grösste Anschlag ereignete sich am 21. Februar 1970 in der Nähe von Würenlingen. Im Gepäckraum einer Swissair-Maschine explodierte eine Bombe, 47 Menschen starben dabei.

    Ein Blick zurück und ein Gespräch mit Marcel Gyr, Autor des Buches «Schweizer Terror-Jahre – das geheime Abkommen mit der PLO».

    Peter Maurer und Ivana Pribakovic