«Ich wollte keine ‹Lame Duck› sein»

Seinen Rücktritt als FDP-Präsident hat Philipp Müller keineswegs spontan gefällt. Er wollte jedoch bis zu den Bundesratswahlen warten. Sein Abgang soll einen Generationenwechsel in der Partei einläuten.

Philipp Müller umringt von Mikrofonen.

Bildlegende: Ein geplanter Entscheid: Philipp Müller hatte die Parteileitung bereits im März über seinen Rücktritt informiert. Keystone

SRF News: Wieso gehen Sie, obwohl Sie die FDP zur Erfolgspartei gemacht haben?

Philipp Müller: Ich denke, es ist eine gute Zeit. Wir hatten früher einige Turbulenzen mit sehr kurzen Präsidialzeiten. Der Volksmund sagt: Man soll dann gehen, wenn es am schönsten ist. Und jetzt ist es am schönsten. Wir haben seit 36 Jahren das erste Mal bei den nationalen Wahlen wieder zugelegt. Jetzt ist die Zeit für einen Generationenwechsel gekommen. Würde ich mich nochmals für die Erneuerung im April 2016 zur Verfügung stellen, müsste ich bis 2018 Präsident bleiben. Das würde heissen, dass dann nochmals zwei Jahre anstehen: Man kann nicht kurz vor den Wahlen aufhören und einen neuen Präsidenten einarbeiten. Daher habe ich mich entschieden, jetzt den Generationenwechsel einzuleiten, damit der neue Präsident voll im Saft ist, wenn es um die Wahlen 2019 geht.

Spielen bei Ihrem Rücktritt auch persönliche Gründe eine Rolle?

Als einzigen persönlichen Grund kann ich anführen, dass meine Lebensplanung etwas anderes vorsieht. Irgendwann muss man sich auch wieder entlasten können. Dies habe ich bereits im März 2015 der engeren Parteileitung kommuniziert. Wir wollten dies jedoch nicht vor den Bundesratswahlen kommunizieren, weil man dann erfahrungsgemäss als so genannte «Lame Duck» gilt. Das wollte ich mir nicht antun.

«  Ich habe überhaupt keine Bedenken, dass es genügend Interessenten für dieses schöne Amt geben wird. »

Sie wurden mal hochgejubelt, mal runtergeschrieben. Haben auch solche Aspekte Sie zu Ihrem Rücktritt bewogen?

Nein, überhaupt nicht. Das ist bei Politikern so und gehört dazu. Damit weiss der neue Präsident oder die Präsidentin auch gleich, was auf ihn warten wird.

Bei der FDP stehen die Leute nicht Schlange, um Parteipräsident zu werden. Ist es eine Strafaufgabe, FDP-Präsident zu sein?

Das ist es natürlich nicht. Die Kantone sind angehalten, Kandidaten und Kandidatinnen vorzuschlagen. Ich bin überzeugt, dass wir gute Leute haben, die in der Fraktion schon einige Jahre tätig sind. Ich habe überhaupt keine Bedenken, dass es genügend Interessenten für dieses schöne Amt geben wird.

Das Gespräch führte Géraldine Eicher.