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Schweiz Initiative eingereicht: Verdingkinder sollen entschädigt werden

Verdingkinder sollen Geld erhalten für das Unrecht, das sie erlitten haben. Das will die Wiedergutmachungs-Initiative, die heute eingereicht wurde. Unter dem Titel «Verdingt, versorgt, misshandelt - und nun entschädigt?» wurde auch in der SRF-Arena das Thema diskutiert.

Legende: Video «Arena: Wiedergutmachung für Verdingkinder» abspielen. Laufzeit 73:00 Minuten.
Aus Arena vom 19.12.2014.

Verdingkinder und andere Opfer von staatlichen Zwangsmassnahmen sollen für ihr Leid entschädigt werden. Das will die Wiedergutmachungs-Initiative. Die Vorlage verlangt, dass dafür ein Fonds in der Höhe von 500 Millionen Franken eingerichtet wird. Das Volksbegehren ist mit 110'000 beglaubigten Unterschriften eingereicht worden.

Diese kamen in weniger als der Hälfte der Sammelfrist zusammen. Bei der Einreichung feierten die Initianten den Vater der Vorlage, den Unternehmer Guido Fluri, als «Hoffnungsträger».

Legende: Video «110'000 Unterschriften für die Verdingkinder» abspielen. Laufzeit 3:38 Minuten.
Aus Tagesschau vom 19.12.2014.

Wie Kriminelle behandelt

Das Geld aus dem Wiedergutmachungs-Fonds soll an diejenigen Opfer gehen, die von den Zwangsmassnahmen besonders schwer betroffen waren. Der Fonds soll vom Bund eingerichtet werden. Aus welchen Quellen das Geld stammen soll, lässt die Initiative aber offen.

Fürsorgerische Zwangsmassnahmen waren im 20. Jahrhundert in der Schweiz gegen mindestens 20'000 Menschen angeordnet worden. Manche wurden als Kinder an Bauernhöfe verdingt, andere zwangssterilisiert oder für Medikamentenversuche missbraucht. Weitere wurden wegen Arbeitsscheu, lasterhaften Lebenswandels oder Liederlichkeit wie Kriminelle weggesperrt.

Zwangsversorgung erst 1981 gestoppt

Der Zugang zu Gerichten blieb den Betroffenen in den meisten Fällen verwehrt. Erst 1981 wurde die Praxis der administrativen Zwangsversorgung gestoppt.

2014 hat das Parlament ein Gesetz verabschiedet, mit dem das Unrecht anerkannt wird, das den Betroffenen zugefügt wurde. Eine finanzielle Wiedergutmachung ist darin aber nicht vorgesehen. Der inzwischen aktive Soforthilfefonds wurde auf freiwilliger Basis eingerichtet.

Mitglieder fast aller Parteien

Im Initiativkomitee sitzen neben Vertretern der Betroffenenorganisationen Mitglieder aller Bundeshausfraktionen – mit Ausnahme der SVP. Deren Vertreter hatten im Nationalrat auch gegen das Rehabilitierungsgesetz gestimmt.

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124 Kommentare

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  • Kommentar von R.Anderegg, Zürich
    Man kann nicht die heutige Gesetzgebung mit der damaligen gleichsetzen, da diese solche administrativen Zwangsmassnahmen gesetzlich erlaubten. Nicht die Massnahmen an und für sich sind das Problem ( da damals legal) sondern deren Umsetzung, bzw. wie die Kinder dann bei den Bauern und in den Heimen behandelt wurden. Da ist die Zivilgesellschaft verantwortlich und nicht der Staat. Frau Fehr und die SP suchen nur Publizität und etwas für die Wahlen. Wir brauchen keine amerikanischen Verhältnisse.
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    1. Antwort von R.Anderegg, Zürich
      Es gab auch Fälle, wo die eigenen Kinder gleich schlecht wie die Verdingkinder behandelt wurden. Da spricht auch niemand von Wiedergutmachung. Dazu gibt es auch Fälle, wo Verdingkinder sogar besser behandelt wurden, als die eigenen Kinder, die man so eben gross gezogen hat. Ich gebe Herrn Stamm 100% Recht, wir brauchen keine amerikanischen Verhältnisse, Politiker sind in der Tat nicht für diese Diskussion geeignet, schon gar nicht Frau Fehr und die SP, als Mittel zum Zweck, Wahlkampf.
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    2. Antwort von Barbara Wihler, Zürich
      Diese Massnahmen waren nichts anderes als staatlich verordnete Willkür.Was heisst schon amerikanische Verhältnisse..mir ist nicht bekannt das die USA irgenwelche Entschädigungen an die afroamerikanischen Sklaven geschweige den an die Natives People gezahlt hat.Im Gegenteil nach Möglichkeit wird dort immer noch enteignet in den Reservaten vorallem wenn Uran gefunden wird.Also für mich hinkt dieser Vergleich gewaltig..so oder so Parteiunabhänig.Es tönt nach Milchbüchlirächnig.
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    3. Antwort von R.Anderegg, Zürich
      Falsch Frau Willer, die Gesetze für administrative Massnahmen und für die Wegweisung an Pflegeeltern waren damals legal. Das wurde auch in der Arena festgehalten. Folglich können Sie nicht von staatlicher Willkür sprechen, wenn die Gesetze damals so waren, wie sie eben waren!! Der Missbrauch durch Pflegeeltern, Bauern oder Betreuer hat so mit dem Staat nichts zu tun. Folglich müssten Private belangt werden und nicht der Staat, damit dieser nach dem Giesskannenprinzip Geld verteilt!!
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    4. Antwort von Barbara Wihler, Züri
      ja gut Herr Anderegg dann formuliere ich es so .Ein staatliches Gesetz das es möglich machte den Gemeinden,Kantonen und anderen Institutionen dieses Gesetz nach ihrem Gusto auszulegen,und entsprechen willkürlich zuhandeln, nach meinem heutigen Rechtsempfinden. Der Rahmen war weit gesteckt.Also staatlich sanktionierte Willkür. Abgesegnet durch ein Parlament das vom damaligen Volk gewählt wurde.Und wenn ich von Saat spreche dann darf ich daran erinnern das die CH ein Bundestaat ist.
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    5. Antwort von Charles Dupond, Vivis
      Bei den auslaendischen Fluechtlingen wusste der Bund schon vor ueber 100 Jahren, was seine Pflichten zum Schutz deren Menschenrechte und Befriedigung deren Beduerfnisse sind. Deshalb instaurierte er ihnen Schutz und Subvention vor der Verteilung an die Gemeinden. Das schuldete er auch seinen eigenen Weisen. Zumal in die Bundesverfassung schon seit 1848 alle wichtigen Personen- und Familienrechte (zB Recht auf Niederlassung und Familienleben) garantierte. Der Staat war aktiv und passiv mitschu
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    6. Antwort von Hans Glauser, Herlisberg
      Frau Wihler hat natürlich Recht. Der Staat kann sich nicht hinter den begangenen Ungerechtigkeiten verstecken. Darum Ja zu dieser Initiative.
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  • Kommentar von Adrian Flükiger, Bern
    Ich habe die Schnauze voll von den Bauern und ihren Lobbyisten! Wenn es darum geht die hohle Hand zu machen und die Subventionszitrone auszupressen sind sie in der ersten Reihe, die Röstis und Co. Nun, wenn es darum geht ihre unrühmliche Vergangenheit mit den Verdingkindern endlich auch finanziell aufzuarbeiten haben sie ausser beschämenden Kommentaren nichts zu bieten. Dem gilt es im Wahlherbst 2015 Rechnung zu tragen: Alle Bauern und deren Lobbyisten abwählen!
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    1. Antwort von Marlies Artho, Schmerikon
      A. Flückiger "ich habe die Schnauze voll von den Bauern" Man sollte wirklich sich besinnen und nicht nur alles auf die Bauern abschieben.Es gab Heime, Kloster,Pfarrer,Vormundschaftsbehörden, usw. Sicher war es ein hoher Anteil Bauern, aber nicht nur, es ging aber auch nicht allen schlecht. Aufarbeiten kann nur jede/r Einzelne selbst, wenn man vergeben kann, damit man offen ist für neues. Geld kann auch tiefe Wunden nicht heilen. Geld geben, den Schwachen,die es nicht geschafft haben ist o.k. .
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    2. Antwort von A. Brunner, Arlesheim
      Marlies Artho, bis zu ihrem letzen Satz ist alles gut. Aber wieso sagen sie, "den Schwachen,die es nicht geschafft haben ist o.k." Ich sehe, dass sie nicht so aufgewachsen sind. Hier würden sie sonst schreiben, "die welche man am meisten missbraucht und menschenverachtend behandelt wurden." Mit schwach hat das gar nichts zu tun. Es ist als Betroffener sehr verletzend, solche Worte zu lesen.
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    3. Antwort von Marlies Artho, Schmerikon
      A. Brunner Sorry vielleicht war dies der falsche Ausdruck "den Schwachen", Den Schwachen, meinte ich nicht in Person, sondern Finanziell geschwächten, also die heute noch darunter leiden, weil sie blockiert und ohnmächtig sind, nach all diesen Erfahrungen und deshalb nicht vorwärts kamen und ihre Finanzielle Lage dadurch beeinträchtigt ist. Ich machte auch gewisse Erfahrungen als Scheidungskind was die frühere Mentalität der Erziehung betraf. Was heute zu locker ist, war damals zu streng.
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  • Kommentar von R.Anderegg, Zürich
    Außerdem kann sich da der Staat nie alleine an diesem Fonds beteiligen. Wenn schon müsste auch der Schweizerische Bauernverband an den Kosten beteiligt werden. Oder wir streichen für ein Jahr die Entwicklungshilfe, keine Sozialhilfe mehr für Asylanten und Ausländer, dann hätten wir die 500 Millionen Franken schnell zusammen. Wer spenden will soll doch in diesen Fonds einzahlen. Der Lotteriefonds kann auch einen Beitrag leisten.
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    1. Antwort von Lucas Kunz, Sallneck
      Zur Ergänzung Ihres Finanzieungsvorschlags: Wenn das Militär auf die Einnahmen aus seinen Immobilien, die bei anderen Departementen der Bundeskasse, Aber beim VBS wieder nur dem VBS zugute kommen, hergeben würde, dann wäre der Betrag damit fast 2-mal damit gedeckt ...
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