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Sexueller Missbrauch Strafuntersuchung gegen Jürg Jegge soll eingestellt werden

Die Staatsanwaltschaft Zürich ermittelte wegen sexueller Handlungen mit Kindern. Die untersuchten Missbrauchshandlungen sind verjährt.

Legende: Video Neue Vorwürfe gegen Jürg Jegge abspielen. Laufzeit 01:53 Minuten.
Aus Tagesschau vom 05.10.2017.
  • Markus Zangger, sein Bruder Daniel und Andreas Guggenberger sagten bei der Polizei gegen Jürg Jegge aus. Bei ihnen ist der sexuelle Missbrauch verjährt.
  • Markus Zangger machte im April 2017 in seinem Buch «Jürg Jegges dunkle Seite» die sexuellen Übergriffe des Starpädagogen publik.
  • Falls keine neuen Beweisanträge gestellt oder nicht gegen die beabsichtigte Einstellungsverfügung rekurriert wird, stellt die Staatsanwaltschaft die Untersuchung in den nächsten Wochen voraussichtlich ein. Das zeigen Recherchen der Redaktion «DOK».

Anfangs April hatte der als «Lehrer der Nation» gefeierte Pädagoge Jürg Jegge gestanden, Markus Zangger und andere seiner Schüler sexuell missbraucht zu haben. Zangger hatte ein Buch über seine Missbrauchsgeschichte geschrieben, die anfangs der 1970er Jahre begann, als Jürg Jegge eine Sonderklasse B für «schwachbegabte Schüler» in Embrach/ZH unterrichtete.

Knabenunterhose, keine Pornografie

Am vergangenen 11. April führte die Staatsanwaltschaft gemeinsam mit der Kantonspolizei Zürich eine Hausdurchsuchung an Jegges Wohnort durch. Dabei stellten die Ermittler eine Knabenunterhose in Jegges Kleiderschrank sicher. Bei der späteren Analyse wurden keine Spermaspuren gefunden, und die DNA konnte keiner Person zugeordnet werden.

Auf Jürg Jegges Computer und Handy wurden weder pornografische Bilder noch sexuelle Inhalte gefunden. Sichergestellt wurde der Aufsatz des verstorbenen holländischen Psychiaters Frank van Ree, der Kriterien festlegt, «die eine pädophile Beziehung erfüllen sollte».

Mit Jegge im Doppelbett

Die Staatsanwaltschaft hat über ein Dutzend Männer befragt, vor allem ehemalige Lehrlinge der «Stiftung Märtplatz». Jürg Jegge leitete die von ihm gegründete geschützte Ausbildungsstätte von 1985 bis 2011. Einige gaben an, während ihrer Lehrzeit mit Jürg Jegge nach Wien gereist zu sein.

Drei sagten sogar aus, mit Jürg Jegge im Doppelbett übernachtet zu haben. Jedoch betonten alle befragten Lehrlinge, der Pädagoge habe sich ihnen nicht sexuell genähert. «DOK» weiss aber von zwei Missbrauchsopfern, die sich weigerten, bei der Polizei auszusagen: Sie hätten genug unter dem Missbrauchsfall gelitten und wollten die Geschichte nicht mehr aufrollen.

Verjährte Fälle

Als Opfer sagten einzig Markus Zangger, sein Bruder Daniel Zangger und Andreas Guggenberger bei der Polizei aus. Alle drei haben auch öffentlich Stellung genommen. Bei ihnen sei laut «DOK»-Recherchen der sexuelle Missbrauch verjährt. Falls keine neuen Beweisanträge gestellt oder nicht gegen die beabsichtigte Einstellungsverfügung rekurriert wird, stelle die Staatsanwaltschaft die Untersuchung in den nächsten Wochen ein.

(Sendebezug: Regionaljournal Zürich Schaffhausen 6.30 Uhr/ «DOK», 20:05 Uhr)

«DOK» am Donnerstag

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28 Kommentare

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  • Kommentar von Denise Casagrande (begulide)
    Das ist die schnellste und billigste Art, sich um einen gerechten Prozess für diese abartige "Spezies" "drücken" zu können!! "Verjährungs-Klausel" - Unfähigkeit der zuständigen Verantwortlichen!! Eine zusätzliche "Schmach" für die lebenslang traumatisierten Opfer dieses Sexualstraftäters!! Eine beschämende Bilanz für sämtliche zuständigen, teuren Verantwortlichen, welche damit involviert sind = Mittäterschaft!!
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  • Kommentar von P. Schmid (Balance)
    Das macht mich sprachlos. Wenn die Linken hier Jegge in Schutz nehmen, nicht ein Wort wie sie diese Taten abscheulich finden..Es wird nur wieder jeder kritisiert welche die Einstellung des Verfahrens kritisieren. Man liest es aber es macht einem sprachlos. Die Kinder werden ein Leben lang traumatisiert sein. Und natürlich sieht man hier wieder wie Links-Grün in Schutz genommen wird. Auch von den Medien.
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    1. Antwort von Hanspeter Müller (HPMüller)
      Wo sehen Sie auch nur einen einzigen Kommentar, der Herr Jegge in Schutz nimmt?
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    2. Antwort von P. Schmid (Balance)
      Vielen Dank für die nette Frage. Wenn ich diese beantworten dürfte 1. Hier. 2. von vielen Medien. 3. Gegenfrage wo sehen Sie hier jemand von den geschätzten Linken welche J. Jegge für seine Taten auch nur einmal verurteilt?
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  • Kommentar von Tim Buesser (TimBue)
    Bei progressiven 68-ern gelten natürlich andere (Gesetzes-)Massstäbe wie bei bürgerlichem Volk. Die meinen und meinten ja alles nur gut, selbst wenn es jeder Normalverstand als verwerflich ansieht. In heutiger "Zivilgesellschft" wird mit selktivem Relativieren alles so hingebogen, wie es der eigenen politischen Einstellung (vor allem links-grünen) grad passend ist..
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    1. Antwort von Daniele Röthenmund (Daniele Röthenmund)
      Das auf links-grün zu reduzieren ist nur billige Rhetorik und führt zu keinen Ergebnissen, abgesehen das es nicht stimmt. Da ist keine Politische Partei andres, deshalb sin es ja Parteien, das Wort suggeriert es schon, man ist parteiisch.
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    2. Antwort von Hanspeter Müller (HPMüller)
      Das hat nichts mit 68-ern oder links-grün zu tun. Für Straftaten gelten die Gesetze von dann als die Straftat begangen wurde. Damals galten übrigens Gesetze, die von einem fast ausschliesslich Bürgerlichen Parlament verfasst waren. Die Taten von Herr Jegge sind verjährt, auch wenn das ungerecht ist für die Opfer. Die Unverjährbarkeit gilt erst seit 2013. Aber schön, haben Sie wieder einmal gegen links-grün gewettert.
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    3. Antwort von P. Schmid (Balance)
      Völlig richtig Herr Buesser. Sie sehen ja wie Jegge gar noch in Schutz genommen wird. Auch von den linken Medien "Aber schön, haben Sie wieder einmal gegen links-grün gewettert. " Wo war dies wettern? Dem sagt man eine andere Meinung als Links-Grün genehm ist. In einem freien Land ist es legitim eine andere Meinung zu haben als Linken beliebt. Ich unterstütze ganz klar diese Worte. Und bin enttäuscht wie Linke kein kritisches Wort zum Jegge sagen. Es ist aber bezeichnend.
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