Zum Inhalt springen
Inhalt

Schweiz Zu wenig Organspenden: Pro Woche sterben zwei Menschen

In der Schweiz werden noch immer zu wenig Organe gespendet. Das wollen Bund und Kantone jetzt ändern. Einen Massnahmenplan dazu hat die Stiftung Swisstransplant erarbeitet – damit soll die Bevölkerung für die Dringlichkeit des Problems sensibilisiert werden.

Legende: Video Organspende-Aktionsplan auf gutem Weg abspielen. Laufzeit 01:50 Minuten.
Aus Tagesschau vom 23.06.2015.

Die Statistiken von 2014 bestätigen das Bild der Vorjahre: Während die Anzahl Patienten, die auf ein lebensrettendes Organ warten, weiter angestiegen ist, verharrt die Organspenderate in der Schweiz im unteren Drittel Europas. Mit dem vor zwei Jahren lancierten Aktionsplan «Mehr Organe für Transplantationen» wollen Bund und Kantone die Zahl der Organspenden bis 2018 gegenüber 2012 um gut 60 Prozent steigern.

Das ambitionierte Ziel soll unter anderem mit einer Kommunikationsoffensive erreicht werden, die die Bevölkerung für die Dringlichkeit des Problems sensibilisiert. Weiter beinhaltet der Aktionsplan eine obligatorische Kommunikationsschulung für das Spitalpersonal, spezielle Weiterbildungen und Verbesserungen bei spitalinternen Abläufen.

«Es braucht das Engagement aller Involvierten»

Pierre-Yves Maillard, Stiftungsratspräsident von Swisstransplant fasst den Organmangel in der Schweiz in Zahlen: «Ende letztes Jahr standen 1370 Personen auf der Warteliste und durchschnittlich verstarben bis zu zwei Menschen pro Woche, weil sie vergeblich auf ein Spenderorgan gewartet hatten.» Es brauche nun den Willen und das Engagement aller Involvierten, um diese Situation zu entschärfen, so Maillard.

Grundlage, um dem chronischen Organmangel in der Schweiz entgegenzuwirken, bildet der Aktionsplan, der 2013 als Teil der bundesrätlichen Agenda «Gesundheit 2020» lanciert wurde. Darin sollen Optimierungsmassnahmen im Organspendewesen gebündelt und schweizweit umgesetzt werden.

Grosser Wurf oder Feintuning?

«Wenn es uns gelingt, schweizweit geltende Standards zu etablieren, die auch den regionalen Besonderheiten Rechnung tragen sowie sämtliche Akteure und Institutionen besser vernetzen, haben wir beste Voraussetzungen dafür, die im Aktionsplan definierten Ziele zu erreichen», fasst Franz Immer, Direktor von Swisstransplant zusammen.

Gegenüber SRF News hebt Immer hervor, dass das Massnahmenpaket nicht etwa Feintuning sei: «Es bleibt ein grosser Wurf. Wir haben festgestellt, dass wir spendenwillige Menschen auf verschiedensten Stufen verlieren.»

Man könne etwa auf der Notfall-, der Intensivstation Spender verpassen, dies gelte es zu beheben. «Und wenn wir die Lücken schliessen können, in denen in den einzelnen Regionen Spender verloren gehen, sind wir nahe dran, den Anstieg von 60 Prozent bis 2018 erreichen zu können.»

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

55 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Beppie Hermann, Bern
    Argumente gegen Organspende sind unzählige publizierte Missbräuche+Berichte über"Hirntote",die wieder aufwachten,weil Angehörige einer Organentnahme nicht einwilligten.Manipulationen der Wartelisten,leider auch an lebenserhaltenden Geräten/Monitoren,heimlich angebrachte,organerhaltende Schläuche bis hin zu forcierten Todesurteilen usw.Organentnahmen sind ein Mia-geschäft,u.nein,das sind keine Schauermärchen!Siehe uva Vorfall Bremen,wo jemand ohne obl.Untersuchungen zum Hirntoten erklärt wurde.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von J.Baltensperger, Zürich
    Alle Menschen zu Organspender machen mit der Möglichkeit, sich auf eine Liste zu setzen, dass man nicht spenden will. Sache erledigt.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Andrea Müller, Zürich
      Das wäre die sogenannte "Widerspruchslösung", die ja abgelehnt wurde.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Daniel Gull, Zürich
      Damit gehört dir dann dein eigener Körper nicht mehr von Geburt an sondern der Allgemeinheit. Wollen wir dem Menschen seinen Privatbesitz Körper in dem er lebt wegnehmen? Das sind ja schauerliche kommunistische, totalitaristische Vorstellungen, die sie da in ihrem Hirn mit sich herumtragen. So nach dem Prinzip schuldig, bis zum Beweis des Gegenteils. Schöne Neue Welt.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    3. Antwort von A.Käser, Zürich
      J.B./Wer bewirtschaft zuverlässig und genau diese Datenbank?Die Gesundheitskosten werden auf diese Weise in's unermessliche wachsen.Total-Überwachung inklusive.Wozu?Um möglicherweise jährlich ca.110 Personen vor einem angeblichen Tod zu retten,der früher oder später sowieso eintreten wird?
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    4. Antwort von J.Baltensperger, Zürich
      Bitte, etwas sachlicher. Nein der Körper wird nicht enteignet sondern nach dem Tod - freiwillig - zur Verfügung gestellt. Wer das nicht möchte schreibt das auf eine Liste. @Käser: unser Staat ist fähig, eine Liste zu führen und nein, das ist nicht teuer. Machen Sie einen Stempel auf ihren Körper wenn Sie der Sache nicht trauen. Fakt ist, wir verlieren unnütig Menschenleben. Den Nihilismus A.Käser können Sie sich sparen - es gibt Menschen die haben Freude am Leben.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von beni fuchs, schaffhausen
    Der Titel dieses Artikels ist perfid, sagt er doch aus, dass zu wenig Gesunde sterben, um kranke Sterbende zu retten (...) Nein, sorry, es gibt kein Grundrecht auf Ersatzorgane!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von J.Baltensperger, Zürich
      Das Problem ist nicht die Anzahl Gesunder, die stirbt, sondern die Anzahl der Verstorbenen, die keinen Organspendeausweis haben. Diese Organe werden dann zu 1'000enden kremiert oder verscharrt. Wäre es nicht sinnvoller gewesen, sie zu spenden? Leben retten sollte doch eigentlich etwas Gutes sein, oder?
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von beni fuchs, schaffhausen
      @JB: Zu Tausenden? Würde gern mal wissen, wieviele Sterbende die Auflagen erfüllen, noch gesunde Organe zu 'besitzen' und vor dem definitiven Ableben (Hirntod) im OP-Saal einzutreffen. Zehntausende sterben jeden Tag nur schon, weil sie keinen Zugang zu genügend Nahrung und Trinkwasser haben, Menschen die nicht das Glück haben, im privilegierten Westen geboren zu werden, wo man sich eine Niere kaufen kann. 'Leben retten' sollte ein bisschen mehr hinterfragt werden, ein Organ ist keine Handelsware
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    3. Antwort von J.Baltensperger, Zürich
      @Fuchs: Absolut einverstanden. Es ist tragisch, wie viele Menschen auf dieser Welt wegen schlechten Bedingungen/Armut etc. sterben und ebenfalls einverstanden, dass Organe keine Handelsware sind. Deshalb ist der An- und Verkauf ja in der CH auch verboten. Entscheiden sollen die Ärzte wer ein Organ bekommt und zwar nach festgelegten Kriterien basierend auf ethischen Werten.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen