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Konservativer US-Vordenker «Viel Glück mit China als Weltleader»

Seine konservative Heritage Foundation gilt in Washington als einflussreiche Denkfabrik – und Kim Holmes stellt Trump ein gutes Zeugnis aus. Ausser in zwei Bereichen.

Legende: Audio Konservativer Vordenker sieht Trump auf Kurs abspielen. Laufzeit 4:43 Minuten.
4:43 min, aus Echo der Zeit vom 15.11.2017.

Für den Fernsehsender CNN ist klar: Die Heritage Foundation ist die wichtigste Denkfabrik der aktuellen US-Regierung. Ist Kim Holmes mit seinem Team also sozusagen der Mastermind von Präsident Donald Trump? Holmes winkt ab – wenn auch bloss halbherzig.

«Das ist schon ein bisschen übertrieben», sagt er. Aber richtig sei natürlich, dass viele aus der Heritage Foundation ins Weisse Haus gewechselt hätten. «Es gibt auch regelmässige Kontakte.» Auf die Nachfrage, ob die Denkfabrik Einfluss habe, sagt er dann aber dezidiert und durchaus auch stolz: «Ja, ja.»

Zufriedene klassische Konservative

Holmes ist überzeugt, dass das konservative Lager in den USA und auch die Wirtschaft mit Präsident Donald Trump bislang durchaus zufrieden sind. «Es gibt Fortschritte bei der Steuerreform», sagt er und nennt dieses ein «zentrales Projekt». Hingegen sei leider die Gesundheitsvorsorge Obamacare bisher nicht gekippt worden. «Doch das wird schon noch passieren.»

Erfreulich findet Holmes auch, dass wieder mehr Geld in die Verteidigung gesteckt und der Antiterrorkampf verschärft wird. Ganz generell befinde sich die amerikanische Aussen- und Sicherheitspolitik auf Kurs; und zwar auf der klassisch-republikanischen Linie wie unter den Präsidenten Ronald Reagan oder Vater und Sohn Bush.

Mann im Porträt.
Legende: Kim Holmes, Vizepräsident der Heritage Foundation. Heritage Foundation

Amerika ist gut unterwegs

Trump habe an der Pentagon-Spitze, als Sicherheitsberater und im Aussenministerium Profis um sich geschart, sagt Holmes. Das seien alles Leute, die sogar unter einem demokratischen Präsidenten dienen könnten. Einzig im Verhältnis zur Nato habe Trump zu Beginn gepatzt und Verwirrung gestiftet. Inzwischen aber bekenne sich der Präsident voll und ganz zur westlichen Militärallianz.

Das amerikanische Staatsschiff sei also gut unterwegs, stellt der Vizepräsident der Heritage Foundation fest. So schnell lasse es sich ohnehin nicht umsteuern, egal wer gerade das Land regiere.

Im Weissen Haus fehlt eine Russlandpolitik. Das ist schlecht, denn Präsident Wladimir Putin ist gefährlich.
Autor: Kim HolmesVizepräsident der Heritage Foundation

Es gibt nur zwei Politikfelder, auf denen der konservative Vordenker mit Trump nicht einig ist: Beim Welthandel und in der Russlandpolitik. «Es ist nicht gut für die USA, wenn der Präsident Freihandelsverträge wie jenen mit Kanada und Mexiko zur Disposition stellt und jenen mit den ostasiatischen Ländern gar platzen lässt», so Holmes.

Heikel sei auch Trumps Lavieren gegenüber Russland. «Im Weissen Haus fehlt eine Russlandpolitik – und das ist schlecht, denn Präsident Wladimir Putin ist gefährlich», warnt Holmes.

Steve Bannon ist keiner von uns. Er ist kein Konservativer.
Autor: Kim HolmesVizepräsident der Heritage Foundation

Und was hält Holme davon, dass Trump ständig provoziert, polemisiert und polarisiert? «Alles halb so schlimm.» Schliesslich habe Vorgänger Barack Obama damit angefangen. Trump sei im Grunde bloss die Antwort darauf, dass Obama die amerikanische Gesellschaft gespalten habe, sagt Homes.

Natürlich werde bisweilen übertrieben, weshalb Holmes das rechtspopulistische bis rechtsextreme Irrlicht Steven Bannon mit seinen «Breitbart»-Medien nicht gut findet. «Bannon ist keiner von uns; kein Konservativer», sagt er knapp.

Es gibt keinen amerikanischen Konsens mehr. Wir müssen versuchen, wieder Brücken zu bauen.
Autor: Kim HolmesVizepräsident der Heritage Foundation

Erst ganz am Ende des Gesprächs gibt sich Holmes nachdenklich und äussert sich auf einmal kritischer: Die tiefe Spaltung der amerikanischen Gesellschaft irritiert auch ihn. «Es gibt keinen amerikanischen Konsens mehr», stellt er fest. In vielen Fragen sei kein Dialog mehr möglich. Man müsste versuchen, wieder Brücken zu bauen.

Gelinge dies nicht, werde Amerika künftig weniger «great» sein, als Trump verspreche und wie es Holmes schon vor Jahren in einem Buch forderte. Und das würde laut Holmes bedeuten: «China wird neuer Leader der Weltordnung. Viel Glück damit.»

Xi und Trump sprechen miteinander.
Legende: China könnte den USA in der Leadership bald den Rang ablaufen: Die Präsidenten Xi und Trump. Reuters

Stiller, konservativer Umbau

Die Europäer würden sich von Trumps Rhetorik zu stark beeindrucken lassen und übersähen dabei die Realität, ist Kim Holmes überzeugt. Während viele von Trumps Tweets abgelenkt seien, werde in Washington erfolgreich und konsequent eine konservative Agenda umgesetzt.

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15 Kommentare

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  • Kommentar von James Klausner (Harder11)
    Eine der peinlichsten Stabübergaben der Weltgeschichte. "Historisch" nannte POTUS sein Bad in den subtil gewürzten Schmeicheleien der Chinesen... Fürwahr.
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  • Kommentar von kurt trionfini (kt)
    Hallo SRF. Gut bringt ihr immer wieder Sichtweisen mit denen ich nichts anfangen kann. Genau das erwarte ich von SRF, genau das wird geliefert.
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  • Kommentar von Hans Bernoulli (H.Bernoulli)
    Europa inkl. Russland wäre fähig, sich behaupten zu können. Von der Spaltung Europas durch die USA profitiert v.a. China. Die USA sind falsche Freunde Europas, benutzen und schwächen es gemäss ihren Machtinteressen, mit schweren Folgen. All die Lügen spalten nicht nur Europa (inkl. Russland) sondern die westlichen Gesellschaften auf allen Ebenen, bis interfamilliär. Der Westen wird dadurch geschwächt. Not-wendig ist eine Abkehr von den Lügen und eine eigenst. Europapolitik mit Russland.
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    1. Antwort von James Klausner (Harder11)
      Oh ja, davon träumen alle demokratisch verfassten Länder Europas, auf das sie alle zu totalitären Kleptokratien unter russischer Führung werden. Russland kann froh sein, wenn es in den nächsten 50 bis 100 Jahren sein Territorium jenseits des Urals behaupten kann. Die russische Volkswirtschaft ist ein Zwerg. Die Gewinne aus den barbarisch abgebauten Rohstoffen gehen nicht in Investitionen oder Infrastruktur, sondern ins pralle Leben der Kleptokratie. Das wird Folgen haben...
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    2. Antwort von Hans Bernoulli (H.Bernoulli)
      Bedeutet ja nicht, dass Westeuropa seine demokratische Tradition aufgeben muss. Die USA sind auch alles andere als ein demokratisches Musterland, ebenso China. Entgegen der westlichen Propaganda hat Putin wie kaum ein anderer Staatschef die Erlöse aus den Ressourcen dem Land zu gute kommen lassen. Es ist der Westen, der immer wieder Regierungen gestürzt hat, welche dies ebenso tun wollten. Und was tat Jelzin, den die USA an die Macht verhalfen? Erkennen Sie die Verlogenheit des Westens?
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