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International Waffenruhe im Gazastreifen gebrochen

Die Hoffnung währte nicht lange: Eine dreitägige Feuerpause brach schon nach wenigen Stunden zusammen. Beide Seiten schiessen geben sich dafür gegenseitig die Schuld. Geplante Gespräche über eine dauerhafte Waffenruhe wurden abgesagt.

Legende: Video Keine Waffenstillstand in Gaza abspielen. Laufzeit 2:00 Minuten.
Aus Tagesschau vom 01.08.2014.

Die für den Gazastreifen am Freitagmorgen in Kraft getretene dreitägige Waffenruhe ist gescheitert. Dies erklärte das israelische Militär.

Zuvor waren im südlichen Gazastreifen heftige Kämpfe zwischen israelischen Truppen und militanten Palästinensern aufgeflammt. Beide Seiten beschuldigten sich gegenseitig, die Waffenruhe gebrochen zu haben.

Militante Palästinenser haben einen israelischen Soldaten im Gazastreifen verschleppt, bestätigte eine Armeesprecherin. Ein Selbstmordattentäter sei aus einem Tunnel gekommen und habe zwei Soldaten getötet, im Zuge dessen sei die Entführung geschehen. Der bewaffnete Arm der Hamas, die Kassam-Brigaden, hat die Gefangennahme bestätigt.

US-Aussenminister John Kerry verurteilte die Aktion aufs Schärfste. Er sprach von einer «empörenden Verletzung» der Waffenruhe und rief die Türkei und Katar auf, ihren Einfluss zur Befreiung des Soldaten einzusetzen. Auch von der UNO kam eine scharfe Verurteilung der Entführung.

Gegenseitige Beschuldigungen

Wie Aschraf al-Kidra, der Sprecher des palästinensischen Gesundheitsministeriums, mitteilte, wurden bei neuen israelischen Angriffen rund 50 Palästinenser getötet und mehr als 100 verletzt.

Das israelische Militär erklärte, lediglich auf Angriffe der militant-islamischen Hamas reagiert zu haben. Zuvor hätten Militante aus dem Gazastreifen mindestens acht Geschosse auf Israel abgefeuert. Drei wurden von der Raketenabwehr abgefangen, die anderen landeten auf freiem Feld. Der US-Senat hat nun 225 Millionen Dollar zur Verstärkung des israelischen Abwehrsystems bewilligt.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu warf der Hamas vor, trotz ausdrücklicher Garantien an UNO und USA die humanitäre Waffenruhe gebrochen zu haben. Er sprach auch von zwei getöteten Soldaten. Hamas-Medien behaupteten wiederum, Israel habe die Waffenruhe gebrochen.

Waffenruhe hätte 72 Stunden dauern sollen

In den Mittagsstunden warfen israelische Flugzeuge über dem Mittelmeergebiet Flugblätter ab, in denen die Bevölkerung vor neuen israelischen Angriffen gewarnt wurde.

Die nunmehr zusammengebrochene Waffenruhe war von der UNO und den USA vermittelt worden. Sie trat am Freitag 07.00 Uhr (MESZ) in Kraft und hätte 72 Stunden dauern sollen. Sie hätte den Menschen «eine dringend notwendige Entlastung von der Gewalt» bringen sollen, hiess es in einer gemeinsamen Erklärung von UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon und US-Aussenminister John Kerry.

Zugleich hätten in Ägypten sofortige Verhandlungen über eine dauerhafte Waffenruhe beginnen sollen. Nach palästinensischen Medienberichten sagte allerdings Kairo die Gespräche unter Berufung auf die gescheiterte Feuerpause vorerst wieder ab.

Saudischer König verurteilt Gewalt beider Seiten

Der König Saudi Arabiens, Abdallah, hat das Schweigen der internationalen Gemeinschaft zu zu den «Verbrechen gegen die Menschlichkeit» im Gaza-Konflikt verurteilt. Das Blut der Palästinenser werde in kollektiven Massakern vergossen, sagte er. Zugleich verurteilte er in seiner Rede den Terrorismus, der «den Islam gefangen» nehme und ihn «der Welt als Religion des Extremismus» präsentiere.

Die Zahl der seit dem 8. Juli getöteten Menschen im Gazastreifen ist inzwischen höher als bei der letzten Bodenoffensive Israels 2009, bei der rund 1400 Palästinenser umgekommen waren. Der palästinensische Sprecher Al-Kidra teilte weiter mit, bislang seien etwa 8400 Palästinenser verletzt worden.

Warnung vor humanitärer Katastrophe

Nach palästinensischen Angaben sind es die höchsten Verluste auf der eigenen Seite seit der israelischen Eroberung des Gazastreifens im Sechs-Tage-Krieg von 1967. Nach israelischen Informationen handelt es sich bei mehreren hundert der palästinensischen Todesopfer um militante Kämpfer. Den Palästinensern zufolge sind mehr als zwei Drittel der Opfer Zivilisten.

Auf der israelischen Seite wurden im Gaza-Krieg 61 israelische Soldaten und drei Zivilisten getötet. Mehrere hundert Menschen wurden verletzt.

Hilfsorganisationen haben wegen der mangelhaften Wasser- und Gesundheitsversorgung im Gazastreifen vor einer humanitären Katastrophe gewarnt. Die Wasserversorgung sei besorgniserregend schlecht, erklärte die Organisation Oxfam. Auch das Internationale Komitee vom Roten Kreuz warnte, dass bald Menschen an Durst oder an Krankheiten sterben könnten.

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31 Kommentare

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  • Kommentar von Nir T, Haven
    mit den Palästinensen hat Israel kein problem. Hamas ist ein terror organization und da MIT hat Israel problem!
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    1. Antwort von Eddy Dreier, Burgdorf
      Naja, es wäre naiv zu glauben, Israel sei der einzige Staat oder Organisation, der Terror definieren würde oder dürfe oder es überhaupt tut. Die Hamas hat guten Grund, Israel ebenfalls als Terror-Organisation einzustufen.
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    2. Antwort von J.bracher, Rüegsbach
      Nein! Eddy Dreier, die Hamas hat Keinen Grund!! 1. Am 9. Juli ermutigte Hamassprecher Sami Abu Zuhri im palästinensischen Fernsehkanal Al-Aksa (Hamas) die palästinensische Bevölkerung im Gazastreifen den Hamaskämpfern weiterhin als menschliche Schutzschilder zu dienen. „Die Tatsache, dass Menschen bereit sind ihr Leben gegen Israels Kriegspläne zu opfern, um damit die Hamas zu behüten, hat sich als erfolgreiche Strategie gegen Israel erwiesen“, sagte Abu Zuhri
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    3. Antwort von J.bracher, Rüegsbach
      2. Mit anderen Worten, die Hamas und die Mehrheit der Palästinenser verstehen, dass Israel im Krieg Rücksicht auf die Zivilbevölkerung nimmt, weswegen die Schutzschild-Taktik gegen Israel wirkt. Dass in Zeiten des Krieges dennoch unschuldige Menschen ums Leben kommen, passiert, ist aber nicht die Absicht der israelischen Sicherheitskräfte.
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    4. Antwort von J.bracher, Rüegsbach
      3.Wie damals im Südlibanon, so auch heute im Gazastreifen schießen Terroristen absichtlich aus engbesiedelten Wohnvierteln, um sich vor Israels legitimen Angriffen zu schützen und ebenso, um ihre eigene Bevölkerung bewusst in Gefahr zu bringen. Die beste Propaganda gegen Israel sind getötete Zivilsten.
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    5. Antwort von J.bracher, Rüegsbach
      4.Zahlreiche Palästinenser betonten in den israelischen Medien, auch gegenüber Israel Heute, dass sich alle Hamasführer verstecken und ihr Volk dem Schicksal gegen Israels Angriffe überlassen. Demgegenüber verstecken sich Israels Offiziere nicht. Heute wurde der Befehlshaber der Golani-Infanteriebrigade, Major Rasan Aliyan, verletzt
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    6. Antwort von J.bracher, Rüegsbach
      5.Am 14. Juli sagte der ehemaliger Redaktionschef der arabischen Zeitung Al Quds Al Arabi Abed Al Bari Atwan im libanesischen Fernsehen, dass die arabischen Staatsführer im Nahen Osten dafür beten, dass Israel endlich mit der Hamas ein für alle Male ein Schluss macht. „Alle verstehen dass die Hamas eine Terrororganisation ist und unterstützen insgeheim Israels Angriff im Gazastreifen“, so Atwan.
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    7. Antwort von Nir t, Yavne
      E.Dreier wenn Sie so was Denken wissen Sie nichts davon. Ich wohne in Israel und bin auch kein terrorist. Alls schweizer und israeli Weiss ich dass alle israeli wuenschen sich nur aber nur frieden zu Haben. Die israeli (armee) Heilen das leben. Z.b in syrien Sind in den letzten 3 wochen mehr Alls 2000 Leute getoetet und da Sind syrien Gegen syrien.!!! Wenn Israel was macht sagt Sie ertst dass die zivilsten fluchten koennen Im gegenteil Von Hamas!!!
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    8. Antwort von Max Müller, Basel
      ENDLICH!!!! Jeder der ein bisschen Verstand hat, sieht dass Israel sich nur verteidigen will und gerne möchte ich mal sehen wie sich die Schweizer verhalten würden, wenn Tötliche Raketen non stop auf die Schweiz fallen würde!!! Israel schützt sich mit der Iron Dome und die Hamas stellen sich ihre eigene Kinder vor die Nase!
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  • Kommentar von Andre Lucas, Würenlingen
    (2/2) Die ARD hat zwar wirklich sehr gute Auslandskorrespondenten wie Richard Schneider in Tel Aviv, aber derselbe Standard ist in der Zentrale nicht zu finden. Ich verlinke mal den Artikel zum selben Thema bei der tagesschau...Das ist wie Superleague zu Dorfturnier. www.tagesschau.de/ausland/gaza-284.html
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    1. Antwort von Björn Christen, Bern
      ARD und ZDF sind natürlich noch um einiges linker als SRF, aber auch hier merkt man bei den meisten politischen Themen, wie die Redaktion tickt. Dazu muss man notorisch voreingenommene 'Nahostexperten' wie z.B. die Iran-Marionette Michael 'Lügers' Lüders aushalten, der ja auch in D'land ständig überall seinen Senf absondern darf. Und noch kein dt. TV-Journalist oder Pundit hat z.B. jemals die Charta der Hamas erwähnt, die die Vernichtung Israel propagiert. Gewisse Wahrheiten sind zu heiss!
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    2. Antwort von P.Meier, Wettingen
      -> Herr Christen: Das übliche Links-Rechts Schema taugt im Nahostkonflikt nun wirklich gar nichts! Die NZZ ist beispielsweise nun wirklich keine linke Zeitung. Sie berichtet über diesen Konflikt wohltuend ausgewogen. Dort sind Leute, die sich mit der Materie auseinander setzen und denken können. Arnold Hottinger z.B. darf meines Wissens nicht einmal mehr nach Israel einreisen.
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  • Kommentar von Andre Lucas, Würenlingen
    (1/2) Unabhängig vom Thema: Ein grosses Kompliment an die Redaktion, wie sie versucht objektiv und sachlich zu bleiben und die Stellungnahmen beider Seiten aufzeigt, so dass sich jeder seinen eigenen Reim machen kann. Da ich als Deutscher auch noch regelmässig bei tagesschau.de reinschaue, kann ich direkt Meldungen vergleichen und muss feststellen, dass die dortige Redaktion meilenweit von der Qualität hier entfernt ist.
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