«Den Umgang mit Wildtieren müssen wir erst noch lernen»

Zum ersten Mal ist in einem städtischen Umfeld ein Wolf aufgetaucht – in Schlieren bei Zürich wurde am Mittwoch ein totes Jungtier gefunden, das von einem Zug überfahren worden ist. Dass Wölfe immer mehr in Siedlungsnähe kommen, erwarten Experten schon seit Jahren.

Ein junger Wolf, der heult.

Bildlegende: Im nahen Umfeld von Schweizer Städten nicht gern gesehen: Der Wolf. Keystone

Ein Wolf in der Agglomeration Zürich: Was viele Laien überrascht, ist für Experten nicht so erstaunlich. Wölfe verirren sich nicht nur in dicht besiedelte Gebiete, sie können sich dort auch mit der Zeit heimisch fühlen.

Urs Philipp, Leiter der Zürcher Jagdverwaltung, sagt: «Wir kennen Beispiele aus Osteuropa oder auch aus Italien. Sie weichen wohl dem Menschen aus, aber sie finden genügend Nahrung und sie pflanzen sich auch fort. Aber ich gehe davon aus, dass es noch geeignetere Lebensräume geben würde in der Schweiz.»

So nahe an Siedlung nichts verloren

Für Experten kommt es nicht überraschend, dass sich ein Wolf in einer Schweizer Agglomeration herumtreibt: «Wir haben erwartet, dass der Wolf früher oder später in dichtem Siedlungsgebiet auftaucht», sagt der oberste Schweizer Wildhüter, Reinhard Schnydrig, vom Bundesamt für Umwelt. Allerdings sei es schon eine neue Situation, mit der man erst noch lernen müsse, umzugehen.

Beim Wolf, der bei Schlieren unter den Zug kam, handelte es sich sehr wahrscheinlich um ein Einzeltier auf Wanderschaft. Das ist typisch für junge Wölfe. Dass sich der Wolf aber mit der Zeit auch in Städten und Agglomerationen ausbreiten könnte, ist möglich.

«Damit müssen wir uns in der Zukunft auseinandersetzten», sagt Schnydrig. Denn der Wolf ist in der Schweiz geschützt und die momentane Gesetzgebung erlaubt es, Wildtiere nur unter bestimmten Umständen zu schiessen. Dann etwa, wenn er viele Schafe gerissen hat. Der Ständerat hält diesen strengen Wolfsschutz für überholt und will ihn darum lockern. Eine entsprechende Motion wurde eingereicht.

Kriterien für den Abschuss

Stimmt auch der Nationalrat dafür, könnte den Wölfen in Stadtnähe der Garaus gemacht werden. Schnydrig sagt nämlich: «Die Siedlungsnähe wird ein Kriterium sein und dann werden wir schauen, nach welchen Kriterien man in solchen Situationen Einzeltiere oder eben auch Bestände durch Abschuss regulieren kann.»

Was aber alle Experten auch betonen: Gefährlich ist der Wolf für die Menschen an sich nicht. Solange sie zwei Regeln beachten: Sich dem Tier nicht nähern und es auf keinen Fall füttern.