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Schweiz «Ein Signal, das in die falsche Richtung geht»

Innenminister Alain Berset nimmt erstmals Stellung zur Debatte um den Französischunterricht in der Schule. Er ruft zu mehr Gelassenheit auf, sorgt sich aber um den nationalen Zusammenhalt. Im Notfall könne der Bundesrat eingreifen.

Legende: Video Frühfranzösisch: Berset erwägt Eingreifen des Bundesrats abspielen. Laufzeit 1:31 Minuten.
Aus Tagesschau vom 16.08.2014.

Der Entscheid des Thurgauer Parlaments, das Französisch in der Primarschule abzuschaffen, hat landesweit für Diskussionen gesorgt. Erstmals nimmt Innenminister Alain Berset dazu Stellung.

SRF: Im Thurgau hat das Parlament beschlossen, das Frühfranzösisch in der Primarschule zu streichen. Bundesrat Alain Berset, was sagen Sie dazu?

Alain Berset: Wir verfolgen die Diskussion sehr aufmerksam und haben volles Vertrauen in die Kantone. Ich möchte auch festhalten, dass wir bis heute noch in keinem Kanton einen definitiven Entscheid haben. Aber es stimmt natürlich, es gibt gewisse Signale. Sollte der Bundesrat zum Schluss kommen, dass das Niveau des Französisch ein solches ist, dass man sich in der Schweiz nicht mehr versteht, kann er eingreifen.

Im Thurgau verlangen die Lehrer und die SP eine Reaktion des Bundesrates. Was antworten Sie ihnen?

Man darf die Sache nicht überstürzen und keine Angstmache betreiben. Jetzt geht es darum, die Diskussion zu vertiefen und zu zeigen, in welchem Moment der Bund eingreifen sollte, falls es in einem Kanton eine definitive Entscheidung gibt.

Die Sprachdebatte ist sehr polarisiert. Vergisst man dabei nicht die eigentlichen Betroffenen – die Kinder?

Leider ist es tatsächlich eine sehr polarisierte Frage geworden, obwohl das Thema dafür viel zu wichtig ist. Jetzt geht es darum, eine Balance zu finden zwischen den pädagogischen Ressourcen, dem Interesse der Kinder und der Fähigkeit, sich in diesem Land zu verstehen. Natürlich kann man aus einer kurzfristigen Optik heraus sagen, das ist nicht so schlimm, wir respektieren uns trotzdem. Aber [die Abschaffung des Französischunterrichtes] ist ein Signal, das in die falsche Richtung geht, wenn man an den nationalen Zusammenhalt denkt. Und an die Stärke, die dieses Land auszeichnet.

Was sagen Sie den Romands, die sich von dieser Diskussion ein bisschen ausgeschlossen fühlen?

Wir sollten die starken Gefühle auf der Seite lassen und die Diskussion mit Entschiedenheit und Ruhe führen.

Kann man die Kinder dazu zwingen, etwas zu lernen, das sie nicht mögen?

Dieselbe Frage kann man sich für andere Fächer stellen, zum Beispiel bei der Mathematik. Aber man kann die Frage auch umkehren und sich vor Augen führen, dass wir mit einer Sprache den Zugang zu einer Welt und einer Kultur erhalten. Das ist vielmehr eine Chance als etwas Negatives.

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57 Kommentare

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  • Kommentar von Marianne Roe, Gwatt
    Ich finde, dass wir eigentlich zwingend Französisch also eine zweite Landessprache zuerst erlernen müssen. Vielleicht ist dies aber auch ein Zeichen, weil die Romonds in Sachen Abstimmungen auch praktisch nie zu den Deutschschweizern halten sondern eher zu Frankreich. Vielleicht sagen sich viele, wenn die ja nicht zu uns halten, warum sollen wir den diese Sprache überhaupt lernen? Ich persönlich hoffe, dass beide Seiten sich etwas mehr Mühe geben werden, um zu zeigen, dass man zusammen gehört.
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  • Kommentar von Ch. Gerber, Basel
    Der Innenminister Alain Berset sollte seine Hausaufgaben als Innenminister machen, dann merkt er schnell wo der Schuh drückt, doch dass interessiert ihn nicht, er ja das HARMOS System und die gesammt Europäische Schulsystem in der Schweiz Durchsetzen, auf kosten unserer Kinder. Besten dank auch.
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  • Kommentar von D. Schmidel, St. Gallen
    Ein politischer Aktionismus, der dazu führt dass In der Primarschule 3 Sprachen gelehrt werden müssen oder jedes Jahr 80'000 neue Personen die Schweiz beheimaten müssen u.s.w. ist schon fast krankhaft. Dieser Aktionismus führt logischer Weise zu Gegenreaktionen der Bevölkerung. Die Glaubwürdigkeit einer solchen Politik ist massiv angeschlagen.
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